02. Juli 2009 Die deutsche Wirtschaft wird 2010 von den derzeit herrschenden schwierigen Liquiditätsbedingungen zu einer umfassenden Neuordnung ihrer Kapitalstruktur gezwungen werden.
Fachleute der Investmentbank Rothschild zumindest gehen davon aus, dass Engpässe in der Liquiditätsversorgung dauerhaft sein werden und alle Unternehmen betroffen sind, nicht nur überschuldete Unternehmen. Wir erwarten, dass die Restrukturierungswelle weite Teile der Unternehmenslandschaft erfassen wird, quer durch alle Branchen und Größenklassen. Ihren Höhepunkt wird die Restrukturierungswelle erst im kommenden Jahr haben, sagten Heinrich Kerstien und Heike Munro voraus, die für Rothschild die Abteilung Fremdkapital und Restrukturierungsberatung in Frankfurt leiten.
Höhepunkt der Kreditausfälle erst 2010
Diese Vorhersage deckt sich mit einer Prognose der Rating-Agentur S&P, die den Höhepunkt der Kreditausfälle für deutsche Banken auf das erste Halbjahr 2010 taxiert hat. Derzeit versuchen viele Unternehmen und Kapitalgeber noch mit halbherzigen Maßnahmen ihre Finanzierungssituation zu verbessern, schildern Kerstien und Munro als Beobachtung.
Für dauerhaft tragfähige Lösungen fehle es den Kapitalgebern an der Fähigkeit, die dann notwendigen Abschreibungen auf ihre Kredite zu schultern. Außerdem hofften viele Unternehmen offenbar, dass die Marktverwerfungen bald ein Ende hätten. Doch das ist eine Illusion, sagen Kerstien und Munro. Das liege weniger an den Banken als an den Hedge-Fonds, die als Hauptlieferant von Liquidität an den Geldmärkten größtenteils verschwunden sind.
Viele Unternehmen werden deshalb ihre Kapitalstruktur ändern müssen. Fremdkapitalumstrukturierung wird oft nicht reichen, sondern es muss mehr Eigenkapital eingebracht werden, lautet das Fazit von Rothschild.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
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