Es ist ein generelles Problem aller Demokratien, daß der qualifizierteste Kandidat nicht unbedingt derjenige ist, der medial am besten vermittelbar ist; in den USA ist dieser Umstand aber besonders sichtbar: Barack Obama ist ein ausgesprochener Charismatiker - inhaltlich bleibt seine funkelnde Rhetorik von "hope" und "change" aber vage. John McCain ist zwar kein Charismatiker, kann aber mit einer beeindruckenden Biographie aufwarten - inhaltlich aber bleibt der Ex-Offizier der Denkungsart des Kalten Krieges verhaftet. Sollte McCain, wie veschiedentlich vermutet, Joe Lieberman als Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten benennen, dann würde bei dieser Wahl die Kompetenz der zweiten Männer diejenige der Präsidentschaftskandidaten übersteigen. Joe Bidens Rede auf dem Parteitag der Demokraten vergangene Nacht war jedenfalls überzeugend und wahrhaft präsidentiell. Trotz der pflichtschuldigsten Verweise auf die nominelle Nummer eins, konnte die Welt in Biden einen Politiker mit Bodenhaftung (Blick für die wachsenden Existenzängste der Mittelschicht) und Weitblick (souveräne außenpolitische Tour d'horizont von Afghanistan bis Georgien) erleben. Hoffentlich wird Biden in einer möglichen Obama-Regierung eine herausragende Rolle spielen.
Da hat sich wohl ein "d" zu viel eingeschlichen. :-) Ansonsten: ein hervorragender Hintergrundartikel - etwas, das man heutzutage viel zu selten zu lesen bekommt.