02. Juli 2009 Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag auf absehbare Zeit unveränderte Leitzinsen signalisiert. Die Leitzinsen sind derzeit angemessen, sagte Notenbankpräsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag nach einer Sitzung des EZB-Rates in Luxemburg. Trichet sieht derzeit weder größere Deflations- noch Inflationsrisiken. Die Notenbank hatte zuvor beschlossen, den Leitzins unverändert bei 1,0 Prozent belassen. Dieser Leitzins sei jedoch nicht der niedrigst mögliche Zins, sagte Trichet. Die Zinsentscheidung sei einstimmig getroffen worden.
Wir erwarten, das die aktuelle Episode von sehr niedrigen oder negativen Inflationsraten nicht lange anhalten wird, sagte Trichet. Die Teuerungsraten könnten zwischenzeitlich zwar negativ werden. Mittelfristig dürften sie wieder anziehen, aber durch die schwache Konjunkturentwicklung gedämpft bleiben. Kurzfristige Preisbewegungen seien jedoch nicht relevant für die Geldpolitik. Die Inflationserwartungen seien derzeit fest verankert. Die Wirtschaftsentwicklung wird laut Trichet im weiteren Jahresverlauf schwach bleiben. Der Rückgang der Wirtschaftsaktivität dürfte jedoch nicht so stark ausfallen wie noch im ersten Quartal des Jahres. Positive Wachstumsraten erwartet Trichet ab Mitte des Jahres 2010.
Zufrieden mit den Banken
Trichet versuchte zugleich, die wegen ihrer zögerlichen Kreditvergabe heftig in die Kritik geratenen Banken aus der Schusslinie zu nehmen. Er sei glücklich mit dem Ergebnis des ersten über ein Jahr laufenden Refinanzierungsgeschäfts der EZB in der vergangenen Woche, sagte der EZB-Chef. Es sei nicht überraschend, dass die Banken das Geld zum Teil wieder bei der EZB geparkt hätten. Er erwarte in Zukunft einen geringeren Grad an Überschussliquidität. Die Banken würden sich an die neuen Verhältnisse anpassen.
Wichtig sei langfristig, dass das frische Geld nach und nach dazu führe, dass das Finanzsystem besser funktioniere. Die Märkte sind nun stark mit Liquidität ausgestattet. Die zurückliegenden Zinssenkungen der EZB würden von den Banken schrittweise an die Verbraucher weitergegeben, fügte Trichet hinzu. Gerade hieran zweifeln aber Verbraucherschützer und Politiker.
Zins-Rekordtief bleibt
Die EZB hatte vergangene Woche erstmals in ihrer Geschichte den Geschäftsbanken Geld für ein ganzes Jahr zum Festzins von nur einem Prozent zur Verfügung gestellt. Insgesamt deckten sich mehr als 1000 Banken mit rund einer halben Billion ein. Seitdem parken sie einen Gutteil dieses Geldes aber über Nacht auf Einlagekonten bei der EZB. Politiker und Wirtschaftsvertreter hatten die Banken deshalb in den vergangenen Tagen scharf attackiert. Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann hatte die Branche dagegen am Mittwoch in Schutz genommen. Das Geld der Zentralbank wandere nicht direkt in einen Topf, aus dem dann Kredite an Unternehmen vergeben würden.
Die EZB beließ ihren Leitzins am Donnerstag wie erwartet auf dem Rekordtief von einem Prozent. Trichet bekräftigte frühere Äußerungen, das Zinsniveau sei angemessen. Analysten werteten dies als Hinweis darauf, dass der Zinssatz, zu dem sich die Banken Geld bei der Notenbank besorgen können, noch lange so niedrig bleiben wird.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: REUTERS
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