Höchstpreis für erste Fotos

Die 14-Millionen-Dollar-Babys

Von Nina Rehfeld

Die Eltern haben hohen Marktwert: Brad Pitt und Angelina Jolie

Die Eltern haben hohen Marktwert: Brad Pitt und Angelina Jolie

03. August 2008 Erinnert sich noch jemand an die amerikanische Science-Fiction-Serie „The Six Million Dollar Man“ aus den siebziger Jahren, in der Lee Majors einen „bionisch“ optimierten Helden mit Superkräften spielte? Nun, das war im letzten Jahrhundert, und wie sich zeigt, hat sich die Zukunft selbst übertrumpft: Dreißig Jahre später sind es die Vierzehn-Millionen-Dollar-Säuglinge, die schon drei Wochen nach ihrer Geburt den Kampf gegen Armut, Krankheit und Krieg aufnehmen.

Für vierzehn Millionen Dollar sollen die Eltern von Vivienne und Knox Jolie-Pitt die ersten Fotos ihrer Zwillinge an das britische Klatschblatt „Hello“ und an die amerikanische Promi-Postille „People“ versteigert haben. „People“ will das drei Wochen alte Säuglingspaar in der Nacht zu Montag mit großem Brimborium als Hingucker des Monats im Internet ausstellen, als Appetizer sozusagen für die Printausgabe, die am Morgen in die Supermarktregale kommt. Das Geld, das die Blätter für die vermeintlich sensationellen Babyfotos auf den Tisch gelegt haben, wollen die stolzen Eltern Angelina Jolie und Brad Pitt wohltätigen Zwecken zugute kommen lassen.

Adoptivkinder bringen weniger ein

Die erste leibliche Tochter des Paars, Shiloh Nouvel Joli-Pitt, gibt es auch in Wachs bei Madame Tussauds zu sehen. Erste Bilder kosteten angeblich 7 Millionen Dollar.

Die erste leibliche Tochter des Paars, Shiloh Nouvel Joli-Pitt, gibt es auch in Wachs bei Madame Tussauds zu sehen. Erste Bilder kosteten angeblich 7 Millionen Dollar.

Sie erzielen mit ihren Zwillingen einen neuen Spitzenpreis im medialen Wettbewerb um das Bilderbuch der Berühmtheiten. Wobei sie sich rein rechnerisch gar nicht mal gesteigert haben. Vor zwei Jahren, als sie die Bilder ihrer neugeborenen Tochter Shiloh meistbietend veräußerten, gab es dafür angeblich sieben Millionen Dollar. Doppelter Preis fürs doppelte Baby - das scheint nur fair. Die Bilder des Sohnes Pax Thien brachten der Familie Jolie-Pitt im vergangenen Jahr hingegen „nur“ fünfeinhalb Millionen Dollar ein - Adoptivkinder stehen bei den Boulevardblättern offenbar nicht ganz so hoch im Kurs wie leibliche Sprösslinge.

Das Babybildergeschäft hat inzwischen Schule gemacht. Jennifer Lopez setzte die ersten Bilder ihrer Zwillinge im Februar dieses Jahres für sechs Millionen Dollar ab; die Fotos von Jessica Albas Nachwuchs gingen im Frühjahr für anderthalb Millionen Dollar weg, und das Baby von Britney Spears jüngerer Schwester Jamie Lynn Spears war der Klatschpresse eine Million Dollar wert. Brad Pitt und Angelina Jolie haben wohl ursprünglich gehofft, sie könnten mit ihrer Art der Babybilder-Vermarktung der Neugierde der sogenannten People-Magazine etwas Positives abgewinnen - eine Preisrallye für den guten Zweck.

Obszöne Reichtümer der Gönner

Allerdings haben sie den Markt nur befeuert. Zudem haben wir hier mit einem mediengestützten neo-feudalen System der Armenspeisung zu tun: Die mildtätigen Gesten der Leinwandhelden, mehr noch die überaus vermögender Celebritäten wie Bill Gates oder Oprah Winfrey, sollen selbstverständlich auch und zunächst als gute Taten erkannt werden. Ganz nebenbei kaschieren sie die obszönen Reichtümer der Gönner. Und sie verschaffen nur jeweils dem Medium Auflage, das den höchsten Preis zu zahlen bereit ist.

Die Habenichtse müssen ihr Publikum mit billigem Ersatz bei der Stange halten. „Baby Joy - die ersten Bilder“, jubelte das Magazin „In Touch“ in der vergangenen Woche. Es waren allerdings nur ein paar verschwommene Bilder der Familie Jolie-Pitt im Garten zu sehen. Die Zeitschrift „Star“ titelte „Shiloh trifft die Zwillinge“, konnte dazu allerdings nur ein Bild der älteren Schwester zeigen. Der Text handelte von den „persönlichen Geschenken“, die ihre neugeborenen Geschwister zu erwarten hätten. Die Streitereien im Kinderzimmer der Jolie-Pitts kann man sich schon vorstellen: „Mama, der hat mich ein Billig-Baby genannt.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP

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