Energie & Rohstoffe

Der Ölpreis ist volatil geworden

05. November 2008 Nach der ausgeprägten Korrektur des Ölpreises vom Juli des vergangenen Jahres bis Ende des vergangenen Monats von 145,3 Dollar je Barrel der Sorte WTI bis auf 62,73 Dollar ist die Entwicklung in den vergangenen Tagen sehr schwankungsstark geworden.

Die Volatilität hat sich in den vergangenen vier Wochen von knapp 40 auf zuletzt knapp 80 Prozent verdoppelt. Angesichts der Turbulenzen an den anderen Märkten kann das kaum verwundern. An den Börsen scheint die Abwärtsbewegung der vergangenen Monate zwar zunächst geendet zu haben. Seit ein paar Tagen bewegen sich die Märkte jedoch im Rahmen wilder Kursschwankungen seitwärts.

Volatilität an Finanz- und Rohstoffmärkten

Ob das die von vielen Optimisten erwartete Bodenbildung ist der nur eine technische Verschnaufpause auf dem weiteren Weg nach unten, wird sich erst noch zeigen müssen. Die fundamentalen Aussichten sind schwach. Aus diesem Grund dürften die Unternehmensgewinne vielfach noch weiter zurückgehen können.

Auch die Kursbewegungen am Devisenmarkt sind ausgeprägt. Währungen wie der Dollar, der Yen und der Schweizer Franken mussten in den vergangenen Tagen im Rahmen des im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen zumindest kurzfristig wieder aufgelebten Risikoappetits große Teile ihrer Kursgewinne wieder aufgeben. Inzwischen sind im professionellen Handel 1,3035 Dollar nötig, um einen Euro erwerben zu können und knapp 100 Yen, um eine Einheit der amerikanischen Währung kaufen zu können.

Davon wird kurzfristig auch der Ölpreis bewegt, gilt er doch vielfach als physischer Gegenpol zur Entwicklung der amerikanischen Währung. In mittelfristiger Betrachtung tendiert der Ölpreis jedoch weiterhin nach unten. Am Mittwoch gibt er mehr als sieben Prozent nach auf 56,31 Dollar, nachdem er am Dienstag etwas mehr als zehn Prozent zugelegt hatte.

Nachfrage nach Brennstoffen geht zurück

Nach Zahlen des amerikanischen Energieministeriums vom Mittwoch haben die Rohölbestände in der vergangenen Woche stagniert, während die Vorräte an Benzin und Destillaten (Heizöl, Diesel) leicht, aber überraschend zulegten. Das Angebot sei angesichts der schwachen Nachfrage mehr als ausreichend, hieß es im Markt.

Die amerikanische Nachfrage nach Brennstoffen lag in den vergangenen vier Wochen bei durchschnittlich 19,1 Millionen Barrel, zeigte der Bericht. Damit lag sie 6,7 Prozent unter dem Niveau, das in der Vergleichsperiode des Vorjahres verzeichnet worden war. Die Benzinnachfrage ging um 2,3 Prozent zurück.

Da die konjunkturellen Daten, die in den Vereinigten Staaten nach und nach veröffentlicht werden, alles andere als positiv sind, dürfte der Ölpreis eher nach unten als nach oben tendieren. Denn läuft die Wirtschaft in Amerika nicht, wird auch die Weltwirtschaft ausgebremst. Vorlaufende Indikatoren machen die globale wirtschaftliche Abkühlung schon seit längerem offensichtlich. Die Raten, zu denen Tanker verchartert werden, sind in den vergangenen Monaten deutlich gefallen. Der Baltic Dry Index ist in den vergangenen Wochen förmlich abgestürzt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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