Die Party der Superlative

Dubai badet sich im Luxus des Champagners

Von Rainer Hermann

Alles ist erleuchtet

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21. November 2008 Die Welt jammert, Dubai aber feiert die Party aller Partys. Die Show war aufwendiger als die zur Eröffnung der Olympischen Spiele von Peking, und mit 20 Millionen Dollar hat sie vielleicht auch mehr gekostet als jene. Das erfolgsverwöhnte Emirat am Golf feierte diesmal die Eröffnung des Superluxushotels Atlantis. Gekostet hat es 1,5 Milliarden Dollar. Als wuchtige Burg mit 1600 Zimmern thront es an der Einfahrt auf die Insel „Palm Jumeirah“, die in der Form einer Palme in den Golf hinausragt.

Mit einem spektakulären Feuerwerk, wie es die Welt noch nicht gesehen hatte, erzeugte die amerikanische Firma Grucci in jener Nacht die Illusion der Wiederkehr des untergegangenen Atlantis. Wo sich heute das Hotel in den Himmel erhebt, war bis vor wenigen Jahren schließlich nur Wasser gewesen. Heute aber schwimmen die Delphine nicht mehr draußen im Meer, sondern mit den Hotelgästen in den Pools. In ihnen standen einige der 700 Rampen für die Feuerwerkskörper, deren Spektakel sogar im All zu sehen war.

2000 handverlesene Gäste

Die Popkönigin Kylie Minogue eröffnete die Party. Unter sternenklaren Himmel sang sie in die warme Herbstnacht hinein „On a night like this“. Jean-Paul Gaultier hatte sie eingekleidet, im Schwarz dieser Nacht und dem Gold der Reichen um sie. Nach sechzig Minuten beendete sie ihren Auftritt mit „I should be so lucky“. Unter dem tosenden Beifall von zweitausend handverlesenen Gästen.

Ja, sie alle waren glücklich oder glaubten es wenigstens. Zumindest für diese Nacht. Die Welt mag ja weinen, die Wirtschaftsflaute beklagen und den Weltschmerz betrauern. In New York werden Partys abgesagt, Dubai aber zelebriert sich selbst und seinen grenzenlosen Optimismus. Auch wer nicht geladen war, feierte mit. Nicht allein die Party markierte neue Superlative. In den Stunden vor dem Ereignis war der ohnehin unsägliche Verkehr Dubais ganz zum Erliegen gekommen.

Promis am Strand

Die einen wollten rechtzeitig zu Hause sein, was sie nicht mehr schafften, die anderen rechtzeitig an einem Strand, sei es einfach auf dem feinkörnigen Sand oder in einem Zelt eines Hotels. Das eine kostenlos, das andere für 700 Euro pro Person. Wer so weit wie sie weg war, konnte nicht sehen, wie aus den Tiefen der elektronischen Mystik der Bollywood-Star Priyanka Chopra als Göttin von Atlantis stieg. Umgeben von sagenhaften Fabeltieren beschwörte sie die „Rückkehr einer Ikone“ und ordnete den Beginn der Party an.

Das Who's Who der Stars und Sternchen hatte sich unter ihr auf den palmengesäumten Stränden von Atlantis versammelt. Aus Hollywood Charlize Theron und Robert De Niro, aus Bollywood Shah Rukh Khan und Arjun Rampal, aus dem Show-Biz Rhianna und Nawal, aus dem Sport Boris Becker und Michael Jordan, aus der Geschäftswelt Richard Branson und aus dem britischen Königshaus Sarah Ferguson.

Der Geist von Dubai

Denn der Pomp von Dubai hätte jeder königlichen Hochzeit zur Ehre gereicht. Understatement war nie die Kunst des Emirats mit dem höchsten Turm der Welt und dem bald größten Flughafen auf dem Globus. Deshalb sollten die Gäste auch nicht zu gewöhnlicher Kost dinieren. Das Menü musste schon von Köchen sein, die mit Michelinsternen dekoriert sind. Zwar gilt auch in Dubai, dass zu viele Köche den Brei verderben. Aber die Starkochs Giorgio Locatelli und Nobu Matsuhisa, Santi Santamaria und Michel Rostang bereiteten ja nicht einfach nur einen Brei zu, sondern zauberten auf Atlantis ein Schlaraffenland.

Kohlenfisch mit japanischer Miso gehörte dazu, Auberginen bei Dorsch oder eine Creme Caramel mit Safran. Dubai badete sich im Luxus des Champagners. Dabei hatte der südafrikanische Atlantis-Chef und Immobilienmagnat Sol Kerzner gar nicht den Champagner bekommen, den er eigentlich bestellt hatte. Er hatte bei Louis Roederer den gesamten Bestand an Cristal Champagne aufkaufen wollen. Der sagte aber aus Furcht vor einem massiven Preisanstieg ab. Bei den zweitausend Gästen kam aber auch der Dom Perignon von Moët et Chandon gut an. Die Sektkorken knallten ordentlich. Und aus der Flasche entstieg auch der Geist von Dubai.



Text: dpa
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS