17. Januar 2008 Der geplante Moscheebau in Köln kommt derzeit nicht voran. In dieser Woche hat der Bauherr, die Türkisch-islamische Union (Ditib), bekanntgegeben, dass das Bauvolumen nun doch deutlich geringer ausfallen soll. Die Rede ist von Einsparungen in Höhe von acht Millionen Euro. Das entspräche etwa einem Drittel der bisher geschätzten Baukosten.
Am äußeren Eindruck der Moschee an der Venloer Straße soll sich aber nichts ändern. Stattdessen soll im Innern gespart werden. So sollen die Geschossfläche um 1000 Quadratmeter und die Bautiefe um vier Meter verringert und auf zwei Tiefgeschosse gänzlich verzichtet werden. Das würde den größten Teil der Kostenersparnis erbringen.
Wir behandeln die Ditib wie jeden anderen Bauherrn
Die Ditib bietet die Verkleinerung, die vor allem die in der Nachbarschaft besonders umstrittenen Basarflächen betrifft, als ein Entgegenkommen an. Gleichzeitig wird nun auch Kooperation der Stadt Köln erwartet, wenn es zum Beispiel um die Festlegung der Zahl der Autostellplätze oder den Ausbau der Infrastruktur rund um die künftige Moschee geht. An den Kosten dafür wird der Bauherr üblicherweise beteiligt.
Oberbürgermeister Schramma, der in dieser Woche mit dem Ditib-Vorstand zusammengetroffen ist, will darüber aber nicht mit sich reden lassen. Wir behandeln die Ditib wie jeden anderen Bauherrn, ohne Benachteiligung, aber auch ohne Bevorzugung.“ Immerhin hatte die Stadt schon den Bebauungsplan für das Areal geändert, damit die Moschee überhaupt gebaut werden kann.
Jetzt fordert Schramma die Ditib auf, endlich die detaillierten Planungen vorzulegen, damit daraus unter anderem die Zahl der Stellplätze errechnet werden kann. Wie es heißt, soll der eigentliche Versammlungsraum, der Gebetsraum, der bisher für 2000 Besucher konzipiert war, auf 1200 bis 1600 Personen verkleinert werden. Für je zehn Besucher wird ein Stellplatz gerechnet. Wenn diese und alle anderen Zahlen jetzt schon vorlägen, könnte frühestens im Sommer mit dem Bau begonnen werden. Jeder weitere Tag verzögert den Baubeginn. Schramma drängt zur Eile; er möchte den Moscheebau aus dem Kommunalwahlkampf 2009 heraushalten.
Neuer Vorschlag für die Minarette
Als Grund sowohl für die Verzögerung als auch die Verkleinerung wird Geldmangel angenommen. Darauf deuten die Hinweise auf die große Spendenbereitschaft in der Ditib-Verlautbarung. Während das Bauvolumen nach der ersten Planung noch einmal kräftig erhöht worden war, wird es nun wieder verkleinert.
Doch wird auch über andere Gründe wird spekuliert. Innerhalb der Ditib soll es Personalveränderungen gegeben haben. Die Kommunikation nach außen, die schon im Streit über den Bau bemängelt worden war, wurde drastisch zurückgefahren. Zudem wird immer noch um die tatsächliche Form des Baus gerungen. Der Einfluss des Beirats, der das Bauvorhaben begleiten soll, scheint ein wenig zurückgedrängt worden zu sein. In der nächsten Woche tritt der Beirat abermals zusammen, dann will Architekt Böhm einen neuen Vorschlag für die Gestaltung der Minarette vorstellen.
Auch im Kölner Karneval wird der Moscheebau nicht fehlen, zwei Rosenmontagswagen beschäftigen sich mit dem Thema. Damit kein neuer Karikaturenstreit daraus entsteht, wurde die Darstellung sorgsam abgewogen und abgesprochen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa