Geschichte des @

Verrücktes A

Von Dirk Schümer

06. Juli 2009 Ursprünglich diente die Tastatur einer Schreibmaschine vor allem dem Geschäfts- und Behördenverkehr. Davon zeugen bei einem aktuellen Computer Symbole wie %, $, §. Auf demselben Weg ist auch das lange unterschätzte @ als blinder Passagier des Q in die weite Welt gerutscht und gehört heute weltweit zu den Superzeichen. Es war der New Yorker Programmierer Ray Tomlinson, der 1971 seine erste E-Mail mit einem @ auszeichnete. Damals riet ihm der Empfänger, ein Kollege, er solle solche Sperenzchen lassen, denn dafür würden sie nicht bezahlt.

Es kam anders: Billiarden Mails, Billiarden @. Sie stammen ursprünglich aus der Welt des Handels und bedeuteten in der angelsächsischen Welt so viel wie „zum Preis von“: at. In Frankreich, wo man denselben Bezug mit einem à ausdrückt, diente das @ als Signum für eine archaische Maßeinheit: „arobas“. Heute noch wird in den Weiten Südamerikas damit Vieh gewogen, weshalb die spanisch- und portugiesischsprachige Welt das @ als „arroba“ bezeichnet.

Digitaler Zoo

Nur die katalanischen Feinschmecker tanzen aus der Reihe und sagen statt des korrekten „arrova“ lieber „einsaïmada“ (nach einem Schmalzkringel). Ihren gesunden Appetit teilen sie mit den Mailschreibern in Israel, wo sich das @ unter dem Begriff „shtrudel“ einbürgerte. Der Rest der Welt sieht die Sache tierischer. In Deutschland hat sich „Klammeraffe“ nicht wirklich durchgesetzt, dafür aber in Taiwan; in Holland sagt man „apenstaartje“ (Affenschwänzchen), in Kroatien anglophil „manki“; in Polen „mapka“ (Äffchen). Ganz anders entziffern unser Signum die Griechen, die es als „papaki“, als „Entchen“, bezeichnen.

Die Ungarn sehen in ihm einen schnöden „kukac“ (Wurm), die Armenier ein „schnik“ (Hündchen), darin sind sie sich ausnahmsweise einmal mit den Russen einig, deren altes Tastaturzeichen tatsächlich an ein „sobaka“, einen kleinen Hund, erinnert haben soll. In Skandinavien, wo es gar keine Elefanten gibt, hat sich „snabel-A“ (Rüssel-A) etabliert. Die Italiener kontern klangschön mit „chiocciola“. Zwar kann man solche Schnecken zuweilen auch essen, doch noch schmackhafter heißt das @ bei den Tschechen und Slowaken: „zavina“ – Rollmops. Ist es bei diesem digitalen Zoo ein Wunder, dass die Serben lieber „ludo A“ sagen? Das heißt „verrücktes A“.

Text: F.A.Z.

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