Dubai

Im Emirat Dubai liebt man es schleierhaft

Von Birgit Ochs, Dubai

Ein Leben im Dunst: In Dubai leben die Einwohner ständig wie hinter einem Schleier

Ein Leben im Dunst: In Dubai leben die Einwohner ständig wie hinter einem Schleier

03. November 2008 Von der 27. Etage in den Business Central Towers hat Uwe Forgber eine ziemlich gute Aussicht. Vom ewigen Dunst einmal abgesehen. Aus den Fenstern seines Büros in einem der 265 Meter hohen Zwillingstürme blickt der deutsche Unternehmer hinüber zum Hochhauspulk an der Dubai Marina, auf die Riesenbaustelle Dubai Pearl und weiter auf Palm Jumeirah.

Das ist die erste und kleinste der drei künstlichen Inseln, mit deren Bau Scheich Mohammed bin Rashid al Maktoum, Herrscher des Emirats, rund um den Erdball regelmäßig für Schlagzeilen sorgt. Zuletzt geschah dies im September, als dort das Luxushotel Atlantis Eröffnung feierte.

Auch wenn die Sonne scheint: Etwas diesig bleibt es in Dubai immer

Auch wenn die Sonne scheint: Etwas diesig bleibt es in Dubai immer

Auch wenn der Ausblick gut ist, „den Durchblick habe ich hier noch lange nicht“, wiegelt der 44 Jahre alte Immobilienfachmann Forgber in Anspielung auf den Immobilienmarkt des Emirats in Zeiten der Krise ab. Er ist erst seit einem Jahr am Golf und noch in der Beobachtungsphase. Für den Münchener Softwareanbieter Conject lotet er die Märkte in der Region aus.

Dicke Staubschicht auf der Fassade

Das Unternehmen ist auf das Lebenszyklusmanagement von Immobilien spezialisiert. Es verspricht, alle Daten von der Planung bis zur Gebäudeverwaltung zu bündeln. Damit Informationen nicht verlorengehen, wie Mitgründer Forgber sagt. Neun Mitarbeiter zählt seine internationale Truppe in Dubai, die erst vor kurzem in den neuen Central Business Towers ihr Büro bezogen hat. Innen sind die Gebäude noch nicht ganz fertig.

Auf den Lift zu warten wird im 27. Stock zuweilen zum Geduldsspiel. Außen hat sich eine dicke Staubschicht auf die Fassade gelegt. Niemand bemüht sich bisher sie zu reinigen. In der staubigen Stadt wäre es ohnehin eine Sisyphusarbeit. „Auch das ist Dubai“, hat der Unternehmer in dem einen Jahr gelernt, das er nun im schillerndsten unter den sieben Vereinigten Arabischen Emiraten zugebracht hat.

Was Expat Forgber über Dubai wie auch Abu Dhabi zudem sicher weiß: Für ausländische Unternehmen ist es nicht leicht, auf diesen Märkten Fuß zu fassen. Ohne Kontakte zu den Familienclans, die die Fäden in der Hand halten, geht so gut wie nichts. Die Spielregeln sind eigen, oft intransparent, und zwischen Sein und Schein zu unterscheiden ist die hohe Kunst. Denn am Persischen Golf liebt man es nun mal schleierhaft. Entsprechend hält der Unternehmer sich auch mit einem Urteil zurück, ob Dubai wie schon nach dem 11. September 2001 als alternativer Anlageort gefragt bleibt, wie viele in der Region meinen. Oder ob das Wachstum nun stark gebremst wird.

Geringe Ölvorkommen

Danach sieht es für manche dieser Tage durchaus aus, nachdem sich zur Wochenmitte der Wert der Börse in Dubai halbierte und in Abu Dhabi um ein Viertel sank (F.A.Z. vom 29. Oktober). Anders als das große Nachbaremirat besitzt Dubai keinesfalls genügend Petrodollar, um seine Milliardenprojekte ohne das Kapital fremder Investoren zu stemmen. Dubais Ölvorkommen sind nicht nur endlich, sondern auch vergleichsweise gering. Nicht zuletzt deshalb setzt man nun auf Immobilienentwicklungen der Superlative.

Auch mit Lifestyle will Dubai zunehmend in der Wahrnehmung der Welt punkten

Auch mit Lifestyle will Dubai zunehmend in der Wahrnehmung der Welt punkten

Wirtschaftlich, das hat die Herrscherfamilie der al Maktoums erkannt, muss sich das Emirat auf andere Standbeine stellen: Der neue Flughafen soll der größte der Welt werden, der Hafenbetreiber des Emirats belegt auf der internationalen Rangliste Platz drei, und die Zahl der Touristen, die von 600.000 im Jahr 1991 auf mehr als 6 Millionen gestiegen ist, soll kräftig weiter wachsen. Und um all die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, hat man bisher zu Wasser wie zu Land mit einem Hyperaktivismus gebaut, der seinesgleichen sucht. Frisches Geld ist dringend nötig. Die Regierung des Emirats muss Verbindlichkeiten bedienen, die höher sind als das Bruttoinlandsprodukt.

Warten auf frisches Fremdkapital

Nun krankt die Weltwirtschaft an der Finanzkrise. Und es zeigt sich, dass das auch für Dubai kein Zipperlein ist. „Alle Investments, die international vernetzt sind, sind betroffen“, sagen Marktbeobachter. In Abu Dhabi bauen die Entwickler mit eigenem Geld. Dort agiert man nach dem Motto „jetzt erst recht“, wie Forgber berichtet. In Dubai hingegen sind ihre Kollegen auf Fremdkapital angewiesen - und müssen abwarten. „Das erleben wir bei vielen Geschäftspartnern“, erzählt der Deutsche.

Gigantische Projekte sind fester Bestandteil der Außendarstellung von Dubai geworden

Gigantische Projekte sind fester Bestandteil der Außendarstellung von Dubai geworden

„Vermutlich ist die Krise heilsam“, urteilt Roland Zibell. Der Logistikfachmann ist für die Schweizer Beratungsgesellschaft ADI Consulting unter anderem an der Planung des neuen Flughafens von Dubai beteiligt. In den zurückliegenden zehn Monaten seien die Immobilienpreise und Mieten im Emirat um 80 Prozent gestiegen. „Viele haben auf eine Abkühlung gewartet“, sagt Zibell.

Die versiegenden Geldströme dürfte auch Dubais staatliche Entwicklungsgesellschaft Nakheel spüren. Das Unternehmen ist damit betraut, die Visionen Scheichs al Maktoum zu bauen. Das Projektportfolio soll bei 80 Milliarden Dollar liegen: Dazu zählen die drei Palmeninseln sowie die Inselgruppe „The World“ und „Waterfront“. Nakheel schafft die Flächen, die Infrastruktur und verkauft dann an Investoren.

Ein 1400 Meter hoher Turm

Noch Anfang Oktober präsentierte sich der Projektentwickler anlässlich der Cityscape, der größten Immobilienmesse der Welt, mit einem neuen Megaprojekt. Die Stimmung schien blendend. Und obwohl die Investoren neue Vorhaben nicht vom Reißbrett weg kauften, war die zur Schau gestellte Zuversicht groß. Nakheel inszenierte ein gewaltiges Medienspektakel, um das Projekt „Nakheel Harbour and Tower“ vorzustellen. Der Clou: ein Hochhaus von 1400 Metern Höhe. Es war eine perfekt durchgeplante Präsentation in mehreren Akten, zu der man vorsorglich eine ganze Schar internationaler Journalisten geladen hatte.

Wie zufällig spazierte das Hollywood-Schauspielerehepaar Michael Douglas und Catherine Zeta-Jones über die Terrasse des Hotels Atlantis, in dem wenige Minuten zuvor das riesige Modell des neuen Bauvorhabens vor geladenen Gästen auf die Bühne gerollt worden war. Später ließ Sängerin Kelly Roland vom früheren Erfolgstrio Destiny Child im angesagtesten Club der Stadt die Puppen tanzen. Der Champagner floss in Strömen, und Fergie, die Exschwiegertochter der englischen Königin, versuchte sich zugunsten eines guten Zwecks als Auktionatorin. Für Nakheel versteigerte die Duchess of York ein Inselchen aus „The World“. Da war man noch in Feierlaune.

46 Millionen Quadratmeter Fläche

Nun ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Pläne für den Superturm erst mal wieder in der Schublade verschwinden. Denn auf dem Prüfstand stehen nach Ansicht von Marktbeobachtern auch Vorhaben, mit denen Nakheel schon begonnen hat, wie etwa die „Palm Deira“. Das ist die größte der drei künstlichen Palmeninseln, die die Gesellschaft vor der Küste baut.

Mehr als 46 Millionen Quadratmeter Fläche und Raum für mehr als eine Million Menschen soll die Inselgruppe bieten. Allerdings geht es auf der Baustelle seit Wochen verdächtig ruhig zu. Offiziell ist das Projekt jedoch nicht gestoppt. Nakheel-CEO O'Donnell lässt auf Anfrage mitteilen, „dass alles weiter nach Plan läuft“. Und der Konzern Dubai World, zu dem der Entwickler gehört, meldete Ende der Woche, kein Vorhaben werde eingestellt.

„In Dubai wird man alles versuchen, um Panik zu vermeiden“, weiß Logistikexperte Zibell. „Bei Investments, die nicht aus der Schatulle finanziert werden, weiß keiner, wie es weitergeht“, hat Forgber beobachtet. Das ein oder andere Projekt wird in Dubai in nächster Zeit wohl auf sich warten lassen. Die Hoffnungen richten sich in der Region nun noch stärker als bisher auf Abu Dhabi und Saudi-Arabien. Was sich auf den Baustellen in Dubai-Stadt tut, hat Uwe Forgber vom 27. Stock der Business Central Towers aber weiter im Blick.

Text: F.A.S.
Bildmaterial: AFP, Reuters

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Die perfekte Wohnung oder das ideale Haus zum Kaufen oder Mieten: Jetzt über 960.000 Angebote bei Immowelt.de und FAZ.NET!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche