Fondsgebühren

Die einzig sichere Aufwärtsentwicklung

Von Nadine Oberhuber

29. Juni 2009 Beim ersten Teil der Argumentation kommt man ja noch mühelos mit: „Leistung soll sich lohnen“, sagen die Vertreter der Fondszunft. Damit begründen sie, warum aktiv gemanagte Fonds Gebühren dafür verlangen, dass sie das Vermögen der Anleger umschichten und verteilen. Und warum sie teurer sind als passive Indexfonds: weil deren Manager nämlich viel weniger Eigenleistung erbringen und keine Auswahl treffen müssen, sondern lediglich einen Index nachbauen. So weit stimmt ihnen auch fast jeder erst mal zu.

Dann aber stutzen selbst Fondsanalyseprofis: Jetzt wollen viele Gesellschaften die Gebühren anheben, die die Anleger zahlen. Das hat das Analysehaus Feri in einer Umfrage unter Fondsmanagern ermittelt: Zwei Drittel der Gesellschaften sagen, die Managementgebühren für aktiv gemanagte Aktien-, Immobilien-, Geldmarkt- und Mischfonds würden 2009 eher gleich bleiben, aber immerhin ein Drittel antwortete, sie würden steigen.

Unveränderter Aufwärtstrend

Der Bundesverband der Investmentbranche (BVI) bestätigt: Sie sind bereits gestiegen. In den vergangenen 10 Jahren haben sich allein die durchschnittlichen jährlichen Fondskosten auf 1,5 Prozent verdoppelt. Das sind bei einem Depot von 10.000 Euro immerhin 150 Euro im Jahr. Ausreißer verlangen sogar 3,7 oder 6,4 Prozent Gesamtkosten, der Ausgabeaufschlag ist noch nicht eingerechnet.

Am Aufwärtstrend hat auch die vorgeschriebene Offenlegung der Kosten nichts geändert. Zu der verdonnert ein Gesetz die Gesellschaften seit 2004. Aber die Kosten steigen weiter. Ende Mai waren auch in diesem Jahr die Gebühren von Aktien- und Euro-Rentenfonds höher als im Vorjahr, sie sind um 0,2 bis 0,5 Prozent geklettert. Auch wenn das nach wenig klingt: Es schlägt auf die Erträge der Anleger stark durch (siehe Infografik). Die Sparer wundern sich sehr, wenn sie nun als Begründung hören: Die Fonds wollen, dass Leistung belohnt wird. Denn sie fragen sich, welche Leistung eigentlich?

„Bemerkenswerte“ Leistungen

Im vergangenen Jahr bröselten die Kurse aller Fondskategorien regelrecht zusammen. In der beliebtesten Anlageklasse, den Aktienfonds mit deutschen Standardwerten, schaffte es der beste Fonds gerade mal, nur 24 Prozent zu verlieren. Der Durchschnitt büßte 42 Prozent an Wert ein und damit noch ein paar Punkte mehr als der Vergleichsindex Dax. Der nämlich verlor „nur“ 40 Prozent. Der schlechteste Fonds - immerhin ein 3 Milliarden schweres Flaggschiff der Deka - übertraf das noch um Längen: Er fuhr ein Minus von 74 Prozent ein, sagt Feri-Analyst Andreas Köchling.

Nun ist das alles zwar eine bemerkenswerte Leistung, ob sie allerdings mehr Geld wert ist, darüber darf man streiten.

Erfolgsgebühr ohne Erfolge

Doch einige der Fonds haben sich auch im vergangenen Jahr eine zusätzliche „erfolgsabhängige Gebühr“ genehmigt. Dazu sind ohnehin immer mehr Fondsgesellschaften in jüngster Zeit übergegangen: Sie erheben neben den üblichen Ausgabeaufschlägen, Verwaltungs- und Fondsmanagementgebühren auch eine performanceabhängige Gebühr. Die aber ist längst nicht bei allen daran gekoppelt, dass ein Fonds auch tatsächlich eine positive Performance hinlegt, also im Wert zulegt.

Etliche Gesellschaften argumentieren nämlich: Wenn der Fondsmanager nur besser abschneidet als der Vergleichsindex, dann dürfen schon ein paar Zusatzprozente von den Anlegern abgezwackt werden - wenn sich ein Manager beispielsweise nur 38 statt 42 Prozent Verlust einhandelt.

Das kommt bei den Anlegern verständlicherweise nicht so gut an. Zumal die sich immer öfter fragen, wofür sie eigentlich ein teures Fondsmanagement bezahlen: Es ist längst ein offenes Geheimnis, dass der Großteil der aktiv verwalteten Fonds Jahr für Jahr nicht besser abschneidet als der jeweilige Vergleichsindex, 75 Prozent schlechter als der MSCI-World-Index.

Einsame Sieger

Auf lange Sicht sieht die Bilanz noch düsterer aus. Über 10 Jahre schafften es nur 2 Fonds in Deutschland, den Index zu schlagen, über 25 Jahre nur einer. Das bedeutet im Umkehrschluss: Würden die Anleger passive Fonds kaufen, die einfach nur den Index abbilden, erzielen sie mehr Wertzuwachs - und zahlen auch erheblich weniger Gebühren.

Das haben immer mehr Sparer erkannt und deshalb schon knapp 15 Prozent ihres Geldes in Indexfonds umgeschichtet. „Die machen den aktiven Fonds nun zunehmend Druck“, sagt Werner Hedrich, Leiter des Fondsresearch bei Morningstar.

Seltsame Reaktion auf Mittelabflüsse

Nun heißt es normalerweise: Konkurrenz belebt das Geschäft. Und man würde erwarten, dass die aktiven Fonds billiger werden, um besser mit den passiven mithalten zu können. Zumal die großen Fonds 2008 so stark gelitten haben wie kaum eine andere Produktgruppe: Die Anleger liefen ihnen seit Beginn der Finanzkrise und dem Absturz der Märkte scharenweise weg, zogen mehr als 40 Milliarden Euro allein in Deutschland aus den Depots ab und legten das Geld lieber auf sichere Tagesgeldkonten. Dieses verlorene Geld muss die Branche nun erst einmal mühsam wiedergewinnen.

„Die logische Idee wäre: Sie senken ihre Gebühren, damit sie wieder beliebter werden und mehr Zuflüsse verzeichnen“, sagt Matthias Rothe vom Fondsanalysehaus FWW. Aber er wundert sich, denn genau das Gegenteil passiert: „In dieser Zeit auch noch die Gebühren nach oben zu schrauben, das ist heftig.“

In der Kostenzange

Aus Sicht der Fonds ist es leicht erklärt: Sie haben jetzt erheblich weniger Geld zu verwalten. Insgesamt gut 25 bis 30 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Manche Gesellschaften wie Invesco, Pioneer, Templeton, Fidelity und Axa verloren sogar auf einen Schlag die Hälfte ihrer Depotvermögen. Und sie verdienen dadurch auch deutlich weniger. Denn ihre jährlichen Managementgebühren hängen vom Depotvolumen ab. Sie behalten pro Jahr im Schnitt 1,5 Prozent von jedem Depotwert ein. Diese Einnahmen sind also genauso bei manchen um die Hälfte geschrumpft.

Die Kosten sind dagegen genauso hoch wie früher. Denn das Management will weiter bezahlt werden, die Analyse der Märkte kostet weiterhin viel Geld, Wirtschaftsprüfer und die Produktion der Fondsprospekte auch. So schlägt der Verlust an Depotvolumen voll auf den Gewinn durch.

Es gibt nun drei Stellschrauben, mit denen die Gesellschaften gegensteuern können: Sie können ihr Personal zusammenstreichen. Das tun bereits einige. Sie können auf Marketing verzichten, das macht etwa die Hälfte von ihnen ebenfalls. Es ist aber gefährlich. Denn deutsche Anleger, so wissen Branchenkenner, kaufen nicht den Fonds, der am besten läuft oder am billigsten ist, sondern denjenigen, der am heftigsten beworben wird. Also kurbeln die Investmentfirmen auch an der dritten Schraube, an den Gebühren.

Branchensport Gebühren verstecken

Viele Analysten finden das besonders gewagt bis leichtsinnig. Aber bisher, so sagen sich anscheinend die Fondsfirmen, hat es ja ganz gut geklappt. Deutsche Anleger bezahlen schon jetzt einen doppelt so hohen Preis für ihre Fonds wie amerikanische Sparer. Auch im Europavergleich, sagt eine Morningstar-Studie, liegt Deutschland vorn. Trotzdem sind wir das führende Land der Fondssparer.

Wie das kommt? Weil nur die wenigsten wirklich wissen, welche Kosten in welchem Fonds drinstecken. Nur hierzulande darf jede Gesellschaft selbst entscheiden, was sie in die Gesamtkostenquote (TER) einrechnet. Manche geben wirklich alle Kosten an, andere nur die Fixkosten fürs Management - die performanceabhängige Gebühr schlagen sie später noch auf. So sind die Angaben in den Prospekten selbst für Fondsanalysten kaum vergleichbar. Wenn also das Verstecken von Kosten auch als eine Leistung gilt, dann haben sich die Gesellschaften die paar Zusatzprozente wahrlich verdient.

Text: F.A.S.
Bildmaterial: F.A.Z.

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