Zertifikate

Indizes mit seltsamer Entwicklung

24. Juni 2009 Die Zertifikateindustrie versucht Boden gut zu machen, um die einst boomenden Geschäfte wieder zu beleben. Mit allen nur denkbaren Initiativen arbeitet sie daran, den Rufschaden zu beheben, den die Pleite von Lehman Brothers verursacht hat.

Die öffnete vielen Anlegern zumindest vorübergehend die Augen, nachdem sie sich Jahre lang hatten von der Propaganda der Industrie berieseln und zum Teil auch beeindrucken lassen.

Zertifikateindizes - nachvollziehbare gegen seltsame Wertentwicklung

Manche hatten offensichtlich ihren Anlageberatern wegen der scheinbaren, immer wieder propagierten Vorteilhaftigkeit und angeblichen Sicherheit der angepriesenen Produkte nicht mehr davon abhalten können, ihnen Zertifikate in ihre Depots einzubuchen.

Oft gegen satte Provisionen und laufende Gebühren, versteht sich. Das böse Erwachen kam jedoch nicht selten erst später. Nämlich immer dann, sobald sich herausstellte, dass ein Emittent nicht zahlungsfähig war, dass sich die versprochenen Renditen nicht einstellten, dass gar Verluste auftraten, dass Zertifikate in wertschwache Aktien gewandelt wurden, dass Preise nach der Emission lange Zeit relativ hoch und vor der Rücknahme relativ tief waren oder dass Papiere in Krisenzeiten überhaupt nicht beziehungsweise nur zu sehr schlechten Konditionen handelbar waren.

Ein Kodex, Ratings, die Besicherung und nicht zuletzt auch verbesserte Transparenz sollten dazu beitragen, die Produkte den Anlegern wieder schmackhafter zu machen. Dazu wurden unter anderem auch verschiedene Zertifikate-Indizes eingeführt. „Die Indizes zeigten die durchschnittliche Wertentwicklung von Zertifikaten und ermöglichen den direkten Leistungsvergleich mit anderen Finanzprodukten,“ erklärt zum Beispiel der Deutsche Derivateverband auf seiner Webseite.

Zur Berechnung des Index je Produkttyp werde eine repräsentative Auswahl von 20 Zertifikaten herangezogen. Die Zusammenfassung mehrerer Zertifikate, beispielsweise nach Laufzeit, ermögliche eine optimale Marktabbildung unter Einbeziehung aller Produkte. Die Gewichtung erfolge anhand der tatsächlich am Markt investierten Volumina, heißt es weiter. Bei jedem Cluster werde ein repräsentatives Produkt ausgewählt, bei größeren Clustern könnten es auch mehrere sein. Bei der Indexberechnung würden jeweils Änderungen der zum Vergleich herangezogenen Volumendaten berücksichtigt, wird weiter erklärt.

Scoach Discount Index: Zusammensetzung nach wolkigen Kriterien

Das klingt gut. Allerdings fragt sich, was der Anleger damit anfangen soll. Was sagen denn wolkige Begriffe wie „optimale Marktabbildung“, „repräsentatives Produkt“ oder „Gewichtung anhand der tatsächlich am Markt investierten Volumina“?

Fakt ist, dass klar definierte Optionsstrategien, wie sie vom DAXplus Cover Call Index der Deutschen Börse repräsentiert werden, zumindest in bestimmten Marktphasen funktionieren und dem Anleger im Vergleich mit dem Index eine gewisse Überrendite bringen. Entgegen den üblichen Argumenten scheint das jedoch nicht während volatiler Seitwärtsphasen der Fall zu sein, sondern eher in Phasen mit steigenden Kursen. Das legt zumindest der Blick auf Wertentwicklung in den vergangenen Jahren nahe.

Der Scoach Discount Index dagegen entwickelt sich seltsam. Er mag zwar eine Risikoreduzierung gegenüber dem Basiswert sowie eine Begrenzung des Chancenpotentials in einem positiven Marktumfeld zeigen, wie die European Derivatives Group so schön erklärt. Dazu mögen signifikante Anteile des investierten Volumens in sogenannte Deep Discounter, also Produkte mit einem Cap weit unter dem Basiswertkurs, beigetragen haben. Was aber nützt das dem Anleger gegen Kursverluste und was nützt es ihm, nachträglich erklärt zu bekommen, wie er optimalerweise investiert gewesen wäre? Die Regeln, nach welchen der Index zusammengesetzt wird, sind nicht klar. Verschwörungstheoretiker könnten vermuten, Indizes dieser Art dienten dazu, die Performance der Produkte schön zu rechnen. Die Wertentwicklung in den vergangenen Wochen jedenfalls sieht seltsam „gut“ aus. Die Volatilitäten sind zwar gefallen, allerdings profitieren Discount-Zertifikate normalerweise nur unterdurchschnittlich vom Kursaufschwung an den Börsen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Börse Stuttgart, FAZ.NET

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