Fondsbericht

Anleihe-Indexfonds verzeichnen rasantes Wachstum

13. November 2008 Börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) mit einer Ausrichtung auf Staatsanleihen gehören zu den wenigen Gewinnern der Finanzkrise. Je länger die Verwerfungen an den Kapitalmärkten andauern, umso deutlicher kommen die Stärken dieser Form der Geldanlage zum Tragen.

So sind die investierten Anleger nicht nur vor bösen Überraschungen in der Titelauswahl der Fonds gefeit, weil die Zusammensetzung des im Fonds nachgebildeten Rentenindex transparent ist. Auch der Kostenvorteil durch die sehr niedrigen Gebühren ist im Wettbewerbsvergleich nicht zu übersehen.

Kontraproduktive Beimischungen

Klassische Rentenfonds, deren Portfolio aktiv verwaltet wird, haben in den vergangenen Monaten einiges an Reputation eingebüßt. Nicht selten wurde in der Vergangenheit in komplexe Wertpapiere wie verbriefte Forderungen (Asset Backed Securities) als Beimischung investiert, um der Wertentwicklung einen zusätzlichen Schub zu geben. In der laufenden Finanzkrise hat sich dieses Vorgehen jedoch als kontraproduktiv erwiesen.

In den Indexfonds lässt dagegen die passive Nachbildung eines Kursbarometers gar keine Beimischungen jenseits des gewählten Marktindex zu. Die vergleichsweise geringe Gebührenbelastung schlägt sich wiederum positiv am sensibelsten Punkt im Wettbewerb nieder - in der Wertentwicklung. Üblicherweise wird für aktiv geführte Rentenfonds eine jährliche Verwaltungsgebühr von einem Prozent des verwalteten Vermögens verlangt. Dieser Prozentpunkt muss erst einmal erwirtschaftet werden, bevor ein Gewinn beim Anleger ankommt. Bei Renten-ETFs liegt diese Schwelle mit üblicherweise 0,15 Prozent wesentlich niedriger.

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Dank Vorsprung an der Spitze

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die Indexfonds in unserer aktuellen Rangliste mit Rentenfonds, die über die vergangenen drei Jahre die beste Wertentwicklung aufweisen können, auf dem Vormarsch sind. War Anfang September noch kein einziger Renten-ETF unter den besten 30 Rentenfonds zu finden, so sind es in der aktuellen Aufstellung schon sieben.

Dass dabei der Marktführer Barclays Global Investors (BGI) mit seiner IShares-Fondsfamilie mit fünf Fonds dominiert - die anderen beiden Fonds stellt der französische Anbieter Lyxor -, hat einen guten Grund: Mit der vor zwei Jahren erfolgten Übernahme des hiesigen Marktpioniers Indexchange ist er lange genug am Markt vertreten, um die erforderliche Historie von mindestens drei Jahren vorweisen zu können. Die meisten Wettbewerber kamen erst nach dem Jahr 2005 mit entsprechenden Anlageprodukten auf den Markt.

Hohe Gebühren halten Privatanleger draußen

Renten-ETFs sind inzwischen längst kein Geheimtipp mehr. Allerdings sind Privatanleger als Abnehmer noch in der absoluten Minderheit. Paradoxerweise ist dieser Umstand ausgerechnet auf die günstige Kostenstruktur zurückzuführen. Weil die niedrige Gebühr keine Provisionszahlungen an Bankberater oder Finanzmakler zulässt, werden sie im Normalfall nicht aktiv angeboten - in der provisionsgetriebenen Beratung lässt sich damit nichts verdienen. In der Finanzberatung auf Honorarbasis sind dagegen auch Renten-ETFs schon weit verbreitet. Allerdings steckt diese Form der Finanzberatung hierzulande noch in den Kinderschuhen.

Getragen wird das rasante Wachstum deshalb noch von institutionellen Großanlegern. Nach einer Aufstellung von BGI hat das verwaltete Vermögen in Renten-ETFs in den ersten zehn Monaten dieses Jahres um 35 Prozent auf 76 Milliarden Dollar zugenommen; in Europa waren es sogar 63 Prozent auf 34 Milliarden Dollar. Die beiden in unserer Rangliste aufgeführten I-Shares-Fonds Government Germany 1.5-2.5 und Jumbo Pfandbriefe gehören inzwischen zu den zehn wichtigsten Umsatzträgern für BGI in Europa.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

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