Formvollendete Wutausbrüche: Der Briefwechsel von Hans Magnus Enzensberger und Uwe Johnson zeigt zwei Klassiker der deutschen Nachkriegsliteratur in Höchstform. Von Ernst Osterkamp
Im Stromkreis der Verdammnis: In seinem ungeheuerlichen Roman Glister erzählt der schottische Schriftsteller John Burnside von Leben und Tod in den Ruinen der Zivilisation, von Schuld und Erlösung. Von Felicitas von Lovenberg
Wer erzählt, ist noch bei Trost: Urs Widmer folgt in seinem neuen, wundersamen Roman erneut den Fährten seiner abenteuerlichen Poetik und tut dem Tod einen echten Gefallen. Von Richard Kämmerlings
Tief ins Glas geschaut: Ernst-Wilhelm Händler schreibt sich in die klassische Moderne zurück und steckt das schmutzige Geschirr des kriselnden Kapitalismus in die Seelenspülmaschine. Von Oliver Jungen
Unschuldig kann man nicht bleiben: Yiyun Li hat ein furioses, zutiefst verstörendes Romandebüt über das postmaoistische China geschrieben. In Bildern, die man nicht vergessen kann, erinnert sie an eine grausame Zeit. Von Sandra Kegel
Dieser Autor beweist, dass die Möglichkeiten erzählerischer Experimente noch längst nicht ausgeschöpft sind: Roberto Bolaños kühner, wilder, großartiger Roman 2666. Von Daniel Kehlmann
Hinter den sieben Bergen bei den vielen Bewusstseinsschnipseln: Feridun Zaimoglu erzählt in seinem Epos der Sehnsucht von den mittleren Rändern der Gegenwart. Von Hans Ulrich Gumbrecht
Lebenslange Übung in einem scharfen und uneitlen Blick auf sich selbst und die Welt: John Updikes letzte Gedichte erinnern an eine alte ars moriendi. Von Heinrich Detering
Schlafen kann man, wenn man tot ist: Als Haruki Murakamis Erzählung einsetzt, ist die Ich-Erzählerin schon siebzehn Tage und siebzehn Nächte wach. Seitdem sie keinen Schlaf mehr braucht, führt sie nachts ein zweites, ganz eigenes Leben - mit beunruhigenden Konsequenzen. Von Verena Lueken
Erzählkraft, ja bitte: Jo Lendle beschwört mit seinem furiosen Wendland-Roman den Mief der Pubertät und der alten Bundesrepublik herauf. Sein Ich-Erzähler trägt zwar den falschen Button - Baum ab? Nein, danke! -, protestiert aber engagiert gegen Atomkraft, bis das Ferienlager zum Kriegsschauplatz wird. Von Sarah Elsing
Bleiben oder Gehen? Der zweite Roman des Österreichers Reinhard Kaiser-Mühlecker erzählt vom Schattenboxen mit den Zumutungen des Lebens. In einem langsamen, fast hypnotischen Tempo beschreibt er das Wegrücken der Welt. Von Anja Hirsch