02. November 2008 Heiko Walkenhorst ist Vorsitzender des Akademiker-Fanclubs Hoffenheim. Weil sie lieber zum Fußball als zur Vernissage gehen, gründeten die Fußballfans mit akademischem Grad 2007 ihren Verein - im F.A.S.-Gespräch erklärt Walkenhorst, warum Hochschulabsolventen besonders gut zur TSG Hoffenheim passen.
Mal ehrlich, Herr Walkenhorst, wird man von den Akademikerkollegen als Vorsitzender eines Fußball-Fanclubs nicht schief angesehen?
Nein, Fußball ist doch inzwischen massenkompatibel und gilt selbst in selbsternannten Intellektuellenkreisen kaum mehr als doof. Zudem komme ich aus der Werbebranche. Da erwartet jeder von mir Ideen. Und ein Akademiker-Fanclub ist doch ein witziger Einfall. Es hat ja was von einem Oxymoron – also einem Widerspruch in sich. Das hat uns gut gefallen, und deswegen haben wir uns für den Namen entschieden.
Wie kam es zu der Oxymoron-Bildung?
Der Club ist 2007 aus einem Freundeskreis entstanden. Wir sind allesamt Akademiker, die lieber am Wochenende zum Fußball gehen als in die Vernissage. Und nach dem Aufstieg in die zweite Liga haben wir uns dann geoutet.
Ist ein akademischer Titel Aufnahmebedingung?
Nein. Wir verfahren nach dem Motto Reputation schlägt Immatrikulation“. Unter den derzeit 16 Mitgliedern ist auch eine Nichtakademikerin. Als Gefährtin unseres Professors genießt sie einen Sonderstatus.
Eigentlich passt ja der Akademiker-Fan ganz gut zur TSG Hoffenheim . . .
Sie meinen wegen Fußball-Professor“ Rangnick . . .
Und seinem großen Expertenteam.
Der homo sapiens ist ein hermeneutisch geprägtes Wesen, das nach Weiterentwicklung strebt: Beobachtung, Erkenntnis, Verbesserung. Das gilt natürlich auch für den Fußball. Und das nicht erst seit heute. Das hat spätestens 1954 mit Herrn Dassler angefangen, der die Schraubstollen entwickelte, damit die Spieler nicht wegrutschten. Dann kamen die ganzen taktischen Spielchen mit oder ohne Mittelläufer, Libero . . . Die analytische Herangehensweise in Hoffenheim wird auch nur ein Zwischenstadium sein.
Wie wird man überhaupt Hoffenheim-Fan?
Ich komme aus Heidelberg. Die Region Mannheim-Heidelberg war bis vor kurzem noch Fußball-Niemandsland. Waldhof Mannheim hatte mal unter der Kultfigur Klaus Schlappner eine gute Zeit, aber das ist schon lange her. Ansonsten gab es hier in der Region in Sachen Spitzensport nur die Adler Mannheim. Aber, um mal was richtig Akademisches zu sagen: Eishockey ist halt nicht Fußball. Mit 1899 Hoffenheim ist der jetzt aber wieder da und besser denn je.
Mit Dietmar Hopp steht ein Milliardär hinter 1899 Hoffenheim. In den Stadien schlägt ihm bisweilen Hass entgegen. Bekommt man diese Abneigung auch als Hoffenheim-Fan zu spüren?
Nicht am Leib. Natürlich sind da die Schmährufe, aber die gibt es von beiden Seiten. Was wir unklug fanden, war die Reaktion des DFB, Herrn Hopp besonders zu schützen. Es wirkt einfach peinlich, wenn der Verband einem hilft. Das kann der Verein auch allein. Hat Herr Hoeneß jemals Hilfe von Verbandsseite bekommen? Der war ja vor Hopp die Hassfigur“ der Bundesliga. Nein. Er hat sich auf St. Pauli ein Retter-T-Shirt angezogen und damit viele Sympathien gewonnen. Er brauchte keine Hilfe vom DFB. Und die braucht Herr Hopp oder die 1899 auch nicht. Aber das wird sich legen, und die Ästhetik unseres Spiels wird die Banalität des Blöden besiegen.
Die Fragen stellte Roland Wiedemann
Text: F.A.Z.