Rückblick auf ein Büchermassaker: Weil sie in der alten Rechtschreibung gedruckt waren, sind wahrscheinlich Millionen Bände aus den Schulbibliotheken vernichtet worden. Ein unnötiger Verlust, verursacht durch den Rechtschreibreformwahn. Von Theodor Ickler
Frankfurt verliert wieder ein Stück Suhrkamp: Der Verlag gibt seine Archive an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach. Noch dieses Jahr sollen die Manuskripte und Korrespondenzen berühmter Autoren umziehen. Der Verkaufspreis ist dem Vernehmen nach eine hohe einstellige Millionensumme. Von Felicitas von Lovenberg
Die Nobelpreisträgerin Herta Müller bewahrt ihre Securitate-Akte nicht in ihrer eigenen Wohnung auf. Sie liegt bei dem Schriftsteller Richard Wagner, ihrem ehemaligen Mann, mit dem zusammen sie 1987 Ceauescus Terrorherrschaft entkam. Von Hubert Spiegel
Was immer wir für groß, schnell oder irre gehalten haben: China ist größer, schneller, irrer. Der Buchmarkt bildet da keine Ausnahme. Literaturagent Luc Kwanten über beratungsresistente westliche Rechteinhaber, Handy-Romane und den Irrtum Bertelsmanns. Von Oliver Jungen
In der Paulskirche hat Claudio Magris den Friedenspreis entgegengenommen. Die mahnenden Worte des italienischen Autors wirken als Zeugnis eines ungebrochenen Glaubens an die Macht der Kultur und der Vernunft. Von Richard Kämmerlings
Eine Frau wird verwechselt, ein Eklat vermieden, ein Agent gefürchtet. Die eine Mauer geht, die andere wird umgangen. Ein Verlag lädt zum letzten Mal in seine Stadt, die anderen Verlage lassen ihre Partys zum ersten mal ausfallen. Szenen einer Messe. Von Marcus Jauer
Für Podiumsdiskussionen interessieren sie sich nicht, und die achtzehn Bände des neuen Kindler-Literaturlexikons haben sie auch nicht zu Hause im Regal stehen. Doch ohne die Mädchen vom Manga-Kommando wäre die Buchmesse ein geriatrischer Kongress.
Die Zeichnerin Jutta Bauer, mit dem Sonderpreis zum Jugendliteraturpreis geehrt, nutzte die Gelegenheit zu einer Grundsatzrede über künstlerische Freiheit, Rechte der Urheber an ihren Werken und massive Eingriffe in Verlagen. Von Tilman Spreckelsen
Auflagen in Hunderttausender-Höhe, Lizenzverträge und die digitale Zukunft - das ist nur die eine Seite der Buchmesse. Auf der anderen Seite werden hier handgedruckte, handgefertigte Bücher gezeigt: Kunstwerke in Kleinstauflagen. Von Fridtjof Küchemann und Andreas Brand
Der Nobelpreis für Herta Müller setzt auch die Buchmesse veränderten Erwartungen aus. Es bedurfte der Ehrung aus Stockholm, um auch im wiedervereinigten Deutschland daran zu erinnern, wie groß und wichtig Herta Müllers Lebensthema ist - und wie aktuell. Von Felicitas von Lovenberg
An diesem Montag wird der Gewinner des Deutschen Buchpreises bekanntgegeben. Über einen der sechs Kandidaten wird am wenigsten berichtet: Rainer Merkel arbeitet in einer psychiatrischen Klinik in Liberia. Ein Interview.
Das Gastland China wagt mit dem Buchmessenauftritt in Frankfurt viel: Erstmals begibt sich das System auf eine kulturelle Großveranstaltung, die es nicht selbst bestimmt. Nun muss der Westen diese Chance nutzen. Von Mark Siemons, Peking
Herta Müller war sechs Jahre älter als mein Jahrgang und gehörte in der Schule zu den Großen. Als sie ihre ersten Kurzgeschichten aus dem Heidedorf Nitzkydorf erschienen, fühlten sich ihre Mitbürger verunglimpft. Eine Erinnerung von Katharina Kilzer.
Die Entscheidung, ob das Google Book Settlement, der Vergleich zwischen Google und Organisationen von Autoren und Verlegern zur Digitalisierung von Millionen von Büchern, den vorliegenden Gesetzen entspricht, wurde von einem amerikanischen Gericht vertagt. Von Jordan Mejias, New York