20. November 2008 An der Universität Bremen dreht sich derzeit alles um Affen. Es sind jene Affen, genauer: Makaken, an denen Andreas Kreiter so manches Geheimnis des Säugetiergehirns ergründen möchte. Mit diesem Vorhaben hat sich der am Zentrum für Kognitionsforschung tätige Professor viele Feinde gemacht. Es wird berichtet, Tierschützer hätten ihn schon 1997, als er die Stelle antrat, mit einem Plakat begrüßt, auf dem er als Affenfolterer bezeichnet worden sei. Der Deutsche Tierschutzbund beschreibt im Internet gruselige Versuchsabläufe, garniert mit dem Foto eines dem Anschein nach gequälten Affen. In Kreiters Haut, auch wenn er sich wohl im Laufe der Jahre eine recht dicke zugelegt haben dürfte, möchte man jedenfalls nicht stecken.
Obwohl unter Fachkollegen, in der scientific community, wegen seiner Forschungen geschätzt, steht Kreiter jetzt mit dem Rücken zur Wand. Ob er sein Forschungsvorhaben mit dem Titel Raumzeitliche Dynamik kognitiver Prozesse des Säugetiergehirns ausführen können wird, steht in den Sternen.
War die Ablehnung rechtmäßig?
Die Bremer Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales, die auch für die Makaken zuständig ist, hat den Antrag auf Genehmigung des Projektes am 15. Oktober abgelehnt. Gegen diesen Bescheid wiederum haben Kreiter und die Universität Widerspruch eingelegt. Sie können die ablehnende Haltung des Gesundheitsressorts nicht nachvollziehen. Die vom Gesundheitsressort nach Paragraph 15 des Tierschutzgesetzes eingesetzte Kommission habe nämlich empfohlen, dem Antrag zuzustimmen. Im Ablehnungsbescheid indessen würden die Tierversuche als ethisch nicht vertretbar bezeichnet.
Und die Universität will nicht klein beigeben. Ihr weiteres Kampfmittel ist ein an das Bremer Verwaltungsgericht adressierter Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung. Das Ziel ist, dass Kreiter seine Forschungen fortführen kann, bis über die Rechtmäßigkeit der Ablehnung durch die Gesundheitsbehörde entschieden ist. Das kann nämlich dauern. Aber schon Ende November müsste Kreiter mit seinen Forschungen aufhören. Was soll dann mit den Versuchstieren geschehen?Immerhin geht es um insgesamt 24 Makaken.
Politische Motivation
Als der ablehnende Bescheid der Gesundheitsbehörde im Oktober eintraf, zeigte sich der Rektor der Universität, Wilfried Müller, betroffen über diese politisch motivierte Entscheidung. Ich halte, sagte er, das Untersagen der hervorragenden Forschungsarbeiten von Andreas Kreiter für einen unzulässigen Eingriff in die grundrechtlich geschützte Wissenschaftsfreiheit. Müller verwies zudem auf die umfangreiche Förderung der Arbeiten durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Auch bei dieser Förderung würden die Bedeutung der jeweiligen Forschung und ihre ethische Vertretbarkeit von international renommierten Experten geprüft.
Was in Bremen zutage tritt, ist der ewige Konflikt zwischen der Freiheit der Forschung und dem Schutz von Tieren. Der Deutsche Tierschutzbund macht es sich leicht, indem er ein grundsätzliches Verbot von Tierversuchen fordert. Wissenschaftler müssten ihre medizinische und biologische Forschung so umstellen, dass sie ohne Tierleid auskommt. Unter anderem wird auch ein gesetzlich verankerter Kriterienkatalog zur Bewertung des medizinischen Nutzens gefordert. Gerade in der Grundlagenforschung, wie Kreiter sie vornehmlich betreibt, kann aber ein solcher Nutzen schon definitionsgemäß nicht angestrebt werden. Das würde die Fragestellungen so weit einengen, dass der Sinn verloren ginge. Der Nutzen kann sich aber durchaus später ergeben, wenn die Ergebnisse in der wissenschaftlichen Szene diskutiert und mit anderen verglichen werden.
Wo schon Ergebnisse vorliegen, versuchen freilich auch die Bremer Hirnforscher, diese zum Nutzen von Patienten umzumünzen. So möchten sie zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Bonn und einem Wirtschaftsunternehmen ein neues Verfahren zur gezielten Stimulierung bestimmter Hirngebiete entwickeln, das Parkinsonkranken zugute kommen soll. Auch an implantierbaren Sehprothesen, die Blinden wieder eine gewisse Sehfähigkeit schenken sollen, möchte man in Bremen arbeiten. Dafür werden Makaken benötigt.
Bildmaterial: AP