
Wenn Herr Taleb seine eigene Weisheit ernst nehmen würde, dürfte er keine Lebensmittel essen, die einen hebräischen Namen haben, denn was dieses Volk an Katastrophen erlebt hat ..., womöglich besteht da ja ein Zusammenhang mit den Ernährungsgewohnheiten?

In der Business Spotlight vom vergangenen Januar war bereits ein Portrait dieses Schwanenritters, wo er zugeben mußte, daß eine Investmentstrategie basierend auf seinen Theorien NICHT erfolgreich war. Das einzige, womit er Geld verdienen kann, sind seine Kassandrarufe.

Wo so ein Köpfchen nur halb versteht, interviewed von Peter Hammel ( umbenannt: Jordan M.), da macht es sich gleich wichtig, wie das viele Testosteronproduzenten ab fünfzig gerne tun, die noch ein Moses, wenigstens ein Rasputin werden wollen. Sie geben ein uraltes Phänomen, die Unsicherheit, die Kontingenz, das mangelhafte menschliche Erkenntnisvermögen (Erare humanum est!) als ihre neue Entdeckung aus und blasen sich auf wie ein Ochsenfrosch. Eine Krise vorherzusagen ist ganz einfach, weil seit jeher nach der Krise die nächste Krise kommt. Leben ist Krise seit den ersten Archaebakterien. Wann die nächste Krise kommt und aus welchen Gründen, das macht den Moses aus, der aber auch nur zufällig richtig liegen kann. 2005 gab es noch einen Aufsatz aus der Bundesbank, der die Kleinstückelung und Verbriefung von Hypothekenkrediten als pfiffige Neuerung zur Risikominimierung lobte. So konnte man das sehen. Dabei müssen aber viele Nebenbedingungen eingehalten werden. Hinterher wissen es auch ein Taleb und ein Hammel besser. Aber verglichen mit den alten Krisen (Eiszeit! Pest! Cholera! Kleine Eiszeit!) geht es uns Gold. Es lebe die Luxuskrise!

„Sie kaufen von jemandem in China ein Hemd, machen ihn so reicher, worauf er besser essen und übergewichtig werden kann, wie wir im Westen. Die Folge ist eine Verteuerung von Protein. Das ist alles ungeheuer einfach, das kann jeder verstehen. Aber kein ökonomisches Modell berücksichtigt das.“ Taleb hat wohl kaum je ein ökonomisches Modell gesehen, denn selbst im einfachsten wird immer unterstellt, dass mit zunehmendem Einkommen der Konsum (auch an proteinhaltigen Nahrungsmitteln) steigt und dadurch die Nachfrage auch nach proteinhaltigen Nahrungsmitteln und dadurch möglicherweise deren Preis zunimmt. Man kann der Wirtschaftswissenschaft ja viel vorwerfen, aber derartige „Kritik“ zeugt von ziemlicher Unkenntnis.

Der schwarze Schwan sagt "Ich habe Millionen über Millionen an Profit gemacht, aber ich kann jetzt nicht einmal mehr lächeln." Himmel, in der traurigen Situation wäre ich auch gerne mal. Desweiteren "Wir haben eine Krise gebraucht. Das System hat zu viele Superreiche hervorgebracht, und sie leiden jetzt am meisten unter der Finanzkrise. Ein anderes positives Ergebnis ist, dass es keine Kultur der Gier mehr geben kann." Was redet der denn da? Die Superreichen leiden? Das ist ja wohl pervers. Und die Kultur der Gier fängt doch gerade erst an. Vorher war sie noch halbwegs versteckt. Jetzt wird sie dreist und unverschämt. Oder wie soll man es anderst nennen, wenn sich unfähige und skrupellose Bank- oder Automanager ihre Gehälter und Boni jetzt einfach mit Hilfe ihrer Politbuddies vom Steuerzahler auszahlen lassen, jetzt, wo sich ihre "Geschäftsmodelle" als Totalflopp erweisen. Seltsam finde ich es auch, daß die Gier von den Freunden des ungezüglten Kapitalismus immer gerne als "natürlich" angesehen wird. Ein kleiner "Wermutstropfen" in einem ansonsten "erfolgreichen" Modell. Aber wehe irgendwer, irgendwo wird "neidisch". Dann ist der Aufschrei bei dieser Klientel groß. Gier und Neid. Totsünden sind beide.

Ja, wir brauchen eine Revolution, aber eine, durch die wir unser Denken, unser öffentliches Nichtwissen bezogen auf hochkomplexe, dynamische Systeme in Steuerungssystemwissen verwandeln können. Ich sage 'öffentliches Nichtwissen', weil die Machtsystemspitzen z.B. in Deutschland und über das hinreichende Steuerungssystemwissen aus der Abteilung 'Evolutionsprozess- und Chaosphysik' verfügen. Damit können sie uns und alle anderen Leistungssysteme abzocken - wie das zur Machtspitze gelangte Rumpelstilzchen. Dieses evolutionsprozess- und chaosphysikalische Steuerungssystemwissen ermöglicht eine geheime Wissens- und Steuerungssherrschaft. Alle meinen, hier herrschten Naturgesetze und man sei ihnen ohnmächtig ausgeliefert. Die ZWANGSSTRUKTUREN sind aber sämtlich machtstrukturell gemacht und gewachsen. Herr Taleb hat uns einen gewaltigen Schritt zur Aufdeckung dieses Herrschaftsgeheimnis ermöglicht. Der abschließende Aufklärungs- und Revolutionsschritt steht noch aus. Unter den Machtsystemspitzen gibt es eine Retterin: Angela Merkel. Sie wird uns mit ihrem Erkenntnisstand über das rettende Evolutionsprojekt aus dem gegenwärtigen Wachstumszwanggefängnis vom Typ Kapitalstockmaximierung herausführen. Vorher steht meine Website bereit.

Ich hätte diesen Beitrag, sicherlich eher im Kabaret als in einer Zeitung erwartet. Nämlich genau im Stil eines Kabaretisten erzählt uns Taleb, wie selbstverständlich es ist, dass wir ganzen dummen kleinen Menschen auf einmal nix mehr haben. Schön gewürzt mit allerlei Lateinizismen bekommen wir hier erklärt, dass die Welt gerade untergeht und wir natürlich schuld sind. Aber was ist die Aussage dahinter? Das "alles ist doof"-Prinzip sollte seit dem Teenageralter überstanden sein, und dass die Welt nicht funktioniert, hat schon Marx richtig, aber völlig unproduktiv erkannt. Mit der passenden Medienpanik kann sich nun ein angeblicher "Experte" als Guru verkaufen, genau wie es die Untergangspropheten vor 1000 Jahren taten. Am Ende halten wir ihn alle für weise (das Wort benutzt er sogar selbst) und bewundern seine einfache Ausdrucksweise, so dass wir darüber hinwegsehen können, dass seine Wortwahl eher verwirrend als hilfreich ist, dass er uns weder Lösung des Problems noch Prävention anbietet und letztendlich überhaupt keine sinnvolle Aussage macht. Demnach vielen Dank für den Lacher, aber es wäre wünschenswert, wenn wir während einer Rezession die Problematik etwas ernster und vor allem ergebnisorientierter angehen könnten.

der im Englischen eine etwas weitere Bedeutung als im Deutschen hat. Im Deutschen bezeichnet Redundanz etwas überflüssiges, doppelt vorhandenes. Im Englischen umschreibt er auch beschäftigungslose Ressourcen. Redundantes Geld ist kein überflüssiges Geld (wann wäre es dies je?), sondern Geld, das nicht arbeitet, d.h. investiert ist um Zinsen abzuwerfen.

Der Kern der Talebschen Risikoanalyse weist weit über die derzeitige Finanzkrise hinaus. Der grundlegende Tatbestand: Die modernen Produktivkräfte haben die Menschheit mit einer Wirkungsmacht ausgestattet, die historisch ohne Beispiel ist und insofern eine neue Qualität darstellt. Das bringt einerseits eine Menge nie dagewesener Chancen, wohl wahr. Aber damit einher geht eine neuartige Risikoklasse von a) nicht oder kaum reversiblen Schäden b) in weltweitem Maßstab. Das betrifft Themen wie Finanzsysteme ebenso wie das Klima, Energie oder Zukunftstechnologien. Die Befürworter des "Weiter so!" verweisen stets einseitig auf die großen Fortschritte und Chancen (die niemand bestreitet), jedoch ohne diese neuartige Kehrseite der Medaille mitzureflektieren. Talebs Grundsatz "Redundanz ist klüger als Hocheffizienz" scheint dieser neuen Risikolage sehr angemessen (im Einzelfall großer Sicherheitsrisiken verfährt man ja auch durchaus so!). Freilich widerspricht er den Grundregeln unserer kapitalistischen Wirtschaftsform als Ganzer, die stets und systemisch auf das äußerste Ausreizen von Effizienz setzt.

Ein Glanzpunkt neben all den servilen Schwätzereien, in denen es darum geht, irgendwie den ruinösen Status Quo aufrecht zu erhalten. Klasse!

"Was wir heute erleben, hält er erst für den Anfang und plädiert dafür, das Finanzsystem auszuwechseln." Das konnte sich doch jeder an zwei Fingern abzählen auch ohne Risikoforscher zu sein. Der Risikoforscher konnte dies womöglich mathematisch begründen, der nromale Mensch mit seiner Lebenserfahrung. Wir haben keine Finanzkrise, sondern eine System krise bei der soziale Unruhen in der Zukunft nicht ausgeschlossen sind. Das wissen natürlich auch die berater des Hernn Schäuble. Nicht umsonst hat man ein Gesetzt verabschiedet für den Einsatz der Bundeswehr im inneren des Landes. Wir sind Gesetzmässig wieder soweit wie in der Weimarer Republik. Das was in diesem Lande an Überwachungs und Repressionsgesetzen in den letzten Jahren beschlossen wurde, wäre woanders nicht denkbar. Aber der deutsche Michel ist geduldig.

Um es mit Strizz zu sagen: Dieser Kater Paul ist eine der coolsten Katzen, welche die Häuserblocks um die Friedrichstrasse herum - ganz abgesehen vom Frankfurter Finanzviertel, der Londoner City und der Wall Street - unsicher machen. War der Schwarze Schwan schon letztes Jahr Gesprächsthema auf Cocktail-Parties und Motoryachten vor San Tropez, jetzt wissen wirs endgültig: Taleb ist für unsere Einsichten ins Finanzwesen was Paul K. Feyerabend für das Chaos im Methodenstreit der Philosophie der Wissenschaft und MITs Thomas Kuhn mit seinem Paradigma-Wechsel für die Wissenschaftsgeschichte formuliert hat, er ist ein eloquent-schräger Guru und Rattenfänger, wie ihn nur die großen Krisen zum Leben erwecken und mit Geist einhauchen. Es ist dies sicherlich das schrägste und amüsanteste Interview, was ich seit langem gelesen habe. Wenigstens bietet er uns keine Lösungen an, sondern eine Verkettung kleiner Provokationen, die in diesen bitteren Zeiten immerhin das Schmunzeln in schallendes Gelächter verwandeln können. Well done, Jordan.

Glückwunsch zu diesem Gespräch! So deutlich Aussagen zu den Bankern und der Wall-Street liest man nicht jeden Tag. Herr Taleb hat knallharte Ansichten zur jetzigen Finanzkrise und man kann seiner Meinung sein, daß aufgeräumt werden muß. Dabei ist nachvollziehbar, daß Banken keine Investmenthäuser sein dürfen. Leider liest man so gut wie nichts über die Geschäfte seiner Firma, außer daß er nicht mehr mit Effekten handelt. Es wäre empfehlenswert, diesen Gesprächstext auf die Tische aller Banker, Broker, Finanz-/ Wirtschaftspolitiker, Vorstände und Wirtschaftsweisen zu legen.

Nicholas Taleb hat zwar eine sehr philosophische Sprache, aber seine Beispiele sind so gut und realitätsnah erklärt, dass man ihn verstehen kann. Redundanz ist das Zauberwort mit der der Kapitalismus die Krise bewältigen kann.

In oder nach jedem Ereignis gibt es Leute, die es schon vorher gewusst haben. Aber diesen "Sehern" dann auch noch den Weitblick in die Zukunft zuzutrauen, widerspricht der Komplexität des Weltgeschehens.

Wenn er hier biologische Systeme betrachtet läuft er in eine Falle. Diese Systeme sind sogar sehr viel fragiler als die menschlich erdachten. Wir sehen aber nur das Ende einer Evolution von Fehlschlägen. Das was überlebt erscheint stabiler. Damit begeht er den gleichen Fehler wie der von ihm kritisierte Banker, der die Stabilität seines Systems aus dem Überleben bis heute folgert. Interessanter Weise widerspricht seine Verhaltensweise Qualitativ nicht derjenigen die er kritisiert. In sofern widerlegt er sich in diesem Interview sogar mehrfach selbst. Er ist ein vorsichtiger Banker, aber im Kern immer noch ein Banker.

Kapitalismus ist eine Mangelverwaltung, trotz des Überschusses, den er produziert. Daher kommt es, dass die Massen arm bleiben, trotz des enormen Reichtums. Und das ist der Normalzustand, nicht nur der in der Krise. Die Philosophie, die das zu rechtfertigen sucht, heißt in etwa: Nur wer arm ist, versucht reich zu werden. Aber Reichtum ist nicht das absolute Ziel, sondern das Mittel zum Zweck. Bedürfnisse können nur ausreichend befriedigt werden, wenn man reich ist. Aber damit steigen auch die Bedürfnisse – die der Reichen, wie die der Armen. Und daraus erwächst nicht nur Gier,sondern das Einverständnis der Gesellschaft, sich dem Reichtumsbestreben unterzuordnen.So sind die am gierigsten,die sich noch persönlich ihrer Armut erinnern. Hinzu kommt, bzw. das erfordert, dass nicht Bedürfnisse befriedigt werden (sollen), sondern ein Markt bedient werden muss. Markt bedeutet zunächst, dass der Reichtum ungleich (asymmetrisch) verteilt ist,trotz seiner demokratischen (anonymen) Elemente.Die Krise ist Konsequenz aus der Asymmetrie wie deren Bedingung, denn der Markt allein triebe sonst zu sehr in Richtung Symmetrie.Die Krise ist das Ende der Demokratie – im Markt wie in der Gesellschaft. Redundanz wäre daher selber ein unnötiger Überfluss.