Von Volker Looman, Reutlingen
07. Dezember 2008 Der Orkan auf dem Finanzmarkt holt nicht nur die großen Anleger von den Beinen, sondern wirbelt auch die kleinen Sparer durcheinander. Wer sich keine Sorgen machen muss, zwei oder drei Millionen Euro vor dem Untergang zu retten, sondern vor dem Problem steht, monatlich 250 oder 500 Euro auf die hohe Kante zu legen, um im Alter die Rente aufzubessern, hat es im Augenblick wirklich nicht leicht. Was soll er tun?
Miserable Aussichten für die Vorsorge
Banken, Bausparkassen und Versicherer wagen sich, nachdem die heftigsten Stürme vorübergezogen sind, wieder zaghaft aus der Deckung, doch die Fronten sind verhärtet. Auf der einen Seite werben die Anbieter wie in alten Zeiten mit Banksparplänen, Bausparverträgen, Investmentfonds und Kapitalversicherungen, und auf der anderen Seite strotzen die gebeutelten Anleger vor Argwohn, Skepsis und Zweifel.
Das sind miserable Voraussetzungen für den Aufbau der Altersvorsorge. Besser sind die Einsichten, dass es zur Arbeit und zum Sparen keine Alternativen gibt und die Bäume im Umgang mit Zins und Zinseszinsen einfach nicht in den Himmel wachsen. Das wird in folgendem Beispiel deutlich.
Arm und reich zugleich
Ein Notar ist 50 Jahre alt. Er ist reich und arm zugleich. Wohlhabend ist der Mann, weil er gesund ist, verheiratet ist, zwei Kinder hat, genügend Arbeit hat, im schuldenfreien Eigenheim lebt und Rücklagen auf dem Konto hat. Arm ist der Mann, weil er sich vor Sorgen grämt. Für den Anleger geht die Welt am Tag zweimal unter, und die Zukunft ist düster, um nicht zu sagen schwarz. Trotzdem steht der Mann vor dem Problem, wie er jährlich 10000 Euro, die er einfach nicht braucht, sicher und rentabel anlegen kann.
Der jüngste Vorschlag stammt aus der Rentenkammer des Juristen. Die Damen und Herren der berufsständischen Versorgungsanstalt haben dem verehrten Kollegen den Vorschlag unterbreitet, mit freiwilligen Zuzahlungen die Rente aufzubessern, frei nach dem Motto: einfach, rentabel, sicher und steuerbegünstigt.
Kein gutes Geschäft
Der Vorschlag stößt bei dem Amtmann auf offene Ohren. Er soll bis zum Ruhestand, so die einfache Rechnung, monatlich 833 Euro in die Kasse der Anwälte und Notare einzahlen, und dafür winkt bis zum Lebensende eine Zusatzrente von 900 Euro pro Monat.
Das mag auf den ersten Blick wie ein solides Geschäft aussehen, doch wer sich dem Angebot mit Bleistift, Taschenrechner und Verstand nähert, wird bald merken, dass die Offerte wenig Anlass zum Jubel bietet. Das Geschäft ist magere Kost, und die Ursachen werden deutlich, wenn ein Zahlungsplan aufgestellt wird.
Wo ist die Rendite?
Der Notar ist 50 Jahre alt, und der Handel wird 35 Jahre laufen, falls sich der Jurist an die Sterbetafeln der deutschen Aktuare hält. Das heißt in Zahlen, dass der Anleger bis zum Rentenbeginn in 15 Jahren zunächst 180 Monate einzahlt. Dann folgen bis zum Lebensende in 35 Jahren insgesamt 240 Renten. Erst sind jeden Monat rund 833 Euro auf den Tisch zu legen, dann sollen jeden Monat ungefähr 900 Euro zurückfließen. Das führt zu Ausgaben von 150000 Euro und Einnahmen von 216000 Euro, folglich zu einem Überschuss von 66000 Euro.
Das ist zwar viel Geld, doch wer auf den Euro und den Cent schaut, wird sich auch für den Zins interessieren, und da wird es, um es vorsichtig auszudrücken, lange Gesichter geben, weil die Rendite nur 2,1 Prozent pro Jahr beträgt.
Mehr als 3,5 Prozent sind nicht drin
Daran kann auch die Tatsache nicht viel ändern, dass die Aufwendungen steuerlich Sonderausgaben sind und die Rückflüsse zu einem Satz versteuert werden müssen, der unter der heutigen Quote liegen wird. Steuervorteile sind bei der Geldanlage des Deutschen liebstes Kind, doch was vor Steuern nicht passt, kann auch nach Steuern nicht passend gemacht werden.
Kurzum: Das Angebot ist vor Steuern flau, weil es 2,1 Prozent abwirft, und die Offerte bleibt auch nach Steuern mau, weil die Verzinsung lediglich 2,7 Prozent erreicht. Selbst wenn der Rechtsanwalt durch gesunde Ernährung und viel Bewegung versucht, mindestens 95 Jahre alt zu werden, hat er schlechte Karten. Die Verzinsung der Geldanlage endet bei 3,5 Prozent nach Steuern. Mehr ist aus diesem Geschäft nicht herauszuholen.
Verlockende Basisrente
Trotz der mäßigen Aussicht sind die Alternativen mit Vorsicht zu genießen. Die erste Verlockung wird die Basisrente sein. Sie heißt nach ihrem Erfinder auch Rürup-Rente, doch der Wirtschaftsweise, derzeit noch als Hochschullehrer beschäftigt, ist der beste Beweis, wie man richtig fürs Alter vorsorgt. Er wird in Kürze erster Ökonom des AWD in Hannover werden, einer Verkaufsmannschaft für Finanzprodukte aller Art, und die höhere Dotierung wirft mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr ab als die Basisrente. Hier kann der Notar, um in die Niederungen des Alltags zurückzukehren, die monatlichen Aufwendungen zu einem hohen Teil als Sonderausgaben geltend machen.
Im Gegenzug muss er die späteren Renten in voller Höhe der persönlichen Besteuerung unterwerfen. Das führt im vorliegenden Fall zu einer Verzinsung von 3,1 Prozent vor Steuern und 3,7 Prozent nach Steuern, wenn dieselben Zahlungen wie an das Versorgungswerk zu einem Durchschnittszins von gleichfalls 4 Prozent vor Steuern abgewickelt werden.
Fesseln namens Basisrente
Der zusätzliche Ertrag von 100 Basispunkten wird Anleger, die in erster Linie auf den Zins sehen, auf den Plan rufen, doch die Schnäppchenjäger der Republik, auch der Notar, sollten die Geschichte in Geld umrechnen, bevor sie den Füller zücken und zur Unterschrift schreiten. Der Barwertvorteil der Basisrente beträgt 12000 Euro. Das ist auf der einen Seite ein ordentlicher Batzen, doch auf der anderen Seite winkt jahrelange Haft.
Der Anwalt muss Geld verdienen, um Steuern sparen zu dürfen, er muss regelmäßig in den Basis-Topf einzahlen, und das Geld fließt im Alter nur in Form der Rente zurück. Entnahmen oder Verfügungen sind nicht möglich. Genauso muss der Anleger auf ein langes Leben vertrauen, weil das Geld bei frühem Ableben in der Regel verwirkt ist.
Finanzielle Freiheit siegt
Die hohe Rendite der Basisrente ist attraktiv, doch es ist bemerkenswert, dass letzten Endes nur wenige Investoren dem Lockruf des Staates erliegen. Die finanzielle Freiheit ist vielen Privatleuten so wichtig, dass sie herkömmliche Produkte vorziehen. Das kann zum Beispiel die private Rentenversicherung sein. Sie ist wie die gesetzliche Rentenversicherung oder die private Basisrente ein Rentensparplan mit Einzahlungen und Rückflüssen, doch der Anleger hat, und das ist der entscheidende Punkt, beim Eintritt in den Ruhestand die Wahl.
Entweder ruft er das angesammelte Geld ab, bezahlt die Steuern auf die Hälfte der Zinsen und macht mit dem Rest, was er will, oder er verrentet das Kapital und entrichtet Steuern auf den Ertragsanteil der Renten. Im zweiten Fall kommt unter dem Strich eine Rendite von 2,9 Prozent nach Steuern heraus, so dass die Anlage zwischen dem Versorgungswerk und der Rürup-Rente liegt.
Zuversicht braucht man immer
Die beste Rendite bietet die Basisrente, und daran ist nicht zu rütteln. Die zweitbeste Verzinsung liefert die private Rentenversicherung, wenn auf den Abruf des Kapitals verzichtet wird. Der Nachteil zur Rürup-Rente beträgt 14000 Euro.
In ähnlicher Größenordnung bewegt sich der Verlust bei der selbständigen Verrentung. Wenn die Sparraten zunächst in den Versicherungstopf fließen, die anschließende Verrentung aber ausgeschlagen wird, fällt auf die Ablaufleistung eine Steuer von 12000 Euro an. Das ist jedoch kaum der Rede wert, weil der Kapitalrest in der Folge nach eigenen Vorstellungen ausgegeben werden kann. Wird das Kapital zum Beispiel in Anleihen angelegt, fällt zwar die Abgeltungsteuer an, doch das wird den besonnenen Anleger nicht aus der Ruhe bringen.
Erstens ist die neue Steuer für vermögende Privatleute ein Segen, und zweitens bietet die Freiheit, mit dem Geld tun und lassen zu können, was das Herz begehrt, mehr Vorteile als Nachteile. Vor diesem Hintergrund dürfte der Kompromiss im vorliegenden Fall die beste Lösung sein: Arbeiten und Sparen im Moment, Rente und Freiheit im Alter. Da ist nur noch Zuversicht nötig, dass die Welt nicht untergehen wird, doch das ist ein anderes Thema.
Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Kai
| Tops & Flop Fonds | Kurs | in % |
| Earth Gold Fund UI | 78,28 € | +194,32% |
| Falcon Gold Equity Fund | 458,50 $ | +177,69% |
| FORTIS L FUND Equity Indonesia C | 148,46 $ | +166,97% |
| Fidelity Funds - Indonesia Fund A (USD) | 17,38 $ | +162,93% |
| STABILITAS - PACIFIC GOLD+METALS P | 92,88 € | +158,26% |
| Franklin Templeton Japan Fund Class N (acc) EUR | 3,27 € | −18,81% |
| Hornet Renewable Energy Fund II | 48,19 € | −21,44% |
| Entrepreneur Opportunities Fund | 52,35 € | −24,03% |
| BERENBERG-EMERGING-UKRAINE-UNIVERSAL-FONDS | 11,81 € | −30,88% |
| Julius Baer Black Sea Fund (EUR) B | 28,07 € | −32,81% |
US-Anleihen schließen etwas fester - Hoffen auf niedrige Zinsen
22:21Wall Street schließt freundlich - Niedrigzinspolitik stützt
22:09EUREX/Bund-Futures schließt knapp behauptet
22:07EUREX/DAX-Futures schließen freundlich
22:05XETRA-NACHBÖRSE/XDAX (22 Uhr): 5.695 (XETRA-Schluss: 5.687) Pkt
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index13.11.2009 13:00 |
1353,22 | 1330,44 | 1264,28 |
Performance-Index13.11.2009 17:35 |
299,37 | 294,10 | 275,13 |
Euro-Aktien-Index13.11.2009 17:35 |
143,15 | 137,56 | 125,49 |
Misbrauch "internationale Gemeinschaft"
23:34"Das Ende der Krise" - Na nu na na
23:25Kein Ausweg aus dem Tal der Tränen
23:06Die Sozialdemokraten befinden sich in einer strategisch guten Position
23:00Ein neuer GM-Betrug ? Warum denn nicht ! Schliesslich ist das ...