03. Juli 2009 Der um die Existenz kämpfende Versandkonzern Quelle muss länger auf die Kundenbestellungen für die Herbst/Winter-Saison warten. Druck und Auslieferung des überlebenswichtigen Katalogs wurden gestoppt. Die Druckereien Prinovis und Schlott Gruppe hatten bis Freitag Nachmittag noch keine rechtsverbindliche Auftragszusage, geschweige denn eine Garantie für Zahlungen des insgesamt 20 bis 25 Millionen Euro teuren Projektes.
Die Schlott Gruppe, die ihrerseits unter der Krise in der Druckereibranche leidet, hat angekündigt, erst bei entsprechenden Sicherheiten die Arbeit wiederaufzunehmen. Wenn wir drucken und ausliefern sollen, wollen wir Geld, sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag. Schlott druckt etwa ein Drittel der 8,7 Millionen Exemplare. Den mit Abstand größten Teil liefert Prinovis - ein Gemeinschaftsunternehmen von Axel-Springer-Verlag, Bertelsmann und Gruner + Jahr.
Notkredit beschlossen
Der erst am Freitag bekanntgewordene Druck- und Auslieferstopp zeigt, wie fragil die Lage im Fürther Versandhaus ist, dass zum ebenfalls insolventen Essener Touristik- und Warenhauskonzern Arcandor gehört. Donnerstag vor einer Woche posierte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) noch mit dem ersten Herbst/Winter-Katalog in Nürnberg. Erst am vergangenen Montagabend wurde der für den Geschäftsbetrieb akut benötigte Notkredit über 50 Millionen Euro nach politischen Debatten beschlossen.
Mit der Freigabe, so die Erwartung, sollten die Druckereien die notwendigen Sicherheiten bekommen. Tatsächlich ist das Vertragswerk für den Massekredit mit rund 700 Seiten in englischer Sprache noch in der Abstimmung. Eine Unterzeichnung wird nach Angaben des Sprechers von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg für den kommenden Montag erwartet. Die Förderbanken KfW (Bund), LfA (Bayern) und SAB (Sachsen) stellen den Kredit der Valovis Bank als Finanzierer von Quelle zur Verfügung. Steht der Vertrag, kann die Finanzierung über das Factoring wiederaufgenommen werden. Nach Einschätzung des Sprechers des Insolvenzverwalters könnte Valovis die finanziell ausgetrocknete Quelle von nächsten Mittwoch an wieder mit Geld versorgen, Lieferanten oder eben Druckereien damit bezahlt werden.
Unterbrechung der Produktionskette
Noch am vergangenen Mittwoch teilte Prinovis mit, sie habe eine rechtsverbindliche Zusage zur Übernahme der Produktionskosten erhalten, weshalb der Druck- und Auslieferprozess schnellstmöglich fortgesetzt werde. Dies wollte der Sprecher des Insolvenzverwalters jedoch so nicht bestätigen. Schon am Abend musste der Druck gestoppt werden.
Denn Schlott hatte noch am selben Tag mit dem ebenfalls involvierten Druckunternehmen Print Forum Eigentumsvorbehalte für vorproduzierte und zugelieferte Druckbögen angemeldet. Es ist üblich, dass auf Kundenwunsch - in diesem Fall von Quelle - die Druckereien im Verbund arbeiten und sich gegenseitig beliefern, beispielsweise mit dem Katalogumschlag. Die Verflechtung hat so zur kompletten Unterbrechung der Produktionskette geführt.
Das Wasser bis zum Hals
Schlott und Prinovis sind auf Bitten des Insolvenzverwalters mit dem Andruck eineinhalb Wochen zuvor in Vorleistung getreten. Die Zeit ist extrem knapp, da die Kataloge normalerweise vor Beginn der Sommerferien ausgeliefert sein müssen. Sonst kann es Nachteile im Bestellverhalten gegenüber Konkurrenten wie Otto geben, die bereits weiter sind. Quelle hinkt mittlerweile mehrere Wochen hinterher. Und im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein Westfalen haben nun die Schulferien begonnen.
Bislang haben sich die Druckereien trotz extremer Belastungen aufgrund eigener Branchenprobleme mit Klagen noch zurückgehalten, um nicht als Sündenbock für neue Probleme bei Quelle zu werden. Schlott hat sich indes schon öfter deutlicher geäußert. Branchenbeobachter werten das Verhalten als Indiz dafür, dass dem Unternehmen aus Freudenstadt, das immerhin 350 Arbeitsplätze abbauen muss, nicht zuletzt wegen der Quelle-Krise das Wasser selbst bis zum Hals stehe. Prinovis könnte wegen der gesünderen Eigentümerstruktur trotz schwieriger Geschäftslage noch stillhalten.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
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