Wer sich für Insekten interessiert, braucht Geduld. Denn nicht alles, was kreucht und fleucht, schwirrt einem so lästig um den Kopf wie eine Stubenfliege; im Gegenteil. Etliche Tiere verstecken sich in Bäumen. Die ließ Maria Sibylla Merian für ihre Erkundungen der Insektenwelt von Surinam dann kurzerhand fällen, damit ihr bestimmte Raupen entgegenfielen.
Es gibt Frauen, die nachts allein auf der Straße den Kragen hochschlagen und den Kopf einziehen. Die junge Dame, die mit Véronique Vial in Paris unterwegs war, wählte den entgegen gesetzten Weg: Sie riss sich die Kleidung vom Leib und streckte ihren spindeldürren langen Körper über Parkbänke und Brückengeländer, umarmte Lampenpfosten oder lehnte am Zaun der Basilique.
Natürlich gibt es tausend Gründe, sich ein Leben in Italien zu wünschen. Stefan Maiwald kennt sie alle - und noch einen mehr. Er heißt Minnie. Eine herzerfrischend resolute Dame mittleren Alters, leidenschaftliche Anhängerin des Fußballvereins AC Milan und Fixstern eines kaum überschaubaren familiären Universums.
Wenn das Licht unwirklich schön ist oder eine Komposition besonders ausgewogen, dann sagt man auch bei einer Fotografie oft: "Wie gemalt!" - und missversteht das als Kompliment. Denn von den Konventionen und Ansprüchen der vermeintlich höheren Kunst hat sich das technische Bildmedium bis heute nicht wirklich lösen können.
Alexander Jürgens hält sich nicht lange auf. Die Geschichte Kaliforniens passt auf vier schmale Seiten. Danach folgt das 107 Seiten starke Kapitel "Unterwegs". Jürgens hat schließlich einen Reiseführer für den ADAC geschrieben. Dessen Leser, nimmt man an, sind mobil, wollen etwas sehen von der Welt und nicht an einem Fleck verharren.
Eine flüchtige Skizze der Künstlerin, die sich mit einer Zigarette im Mund zu einem Angelausflug aufmacht, steht im Widerspruch zum lieblichen Charakter ihrer Londoner Aquarelle, die jetzt, angereichert durch Bildmaterial der viktorianischen und eduardianischen Zeit, in einem nostalgischen Band wiederaufgelegt werden.
Nicaragua hat seinen Frieden nicht gefunden. Vom Glück wollen wir gar nicht reden. Es hat so viel Gewalt gesehen, so viele Desillusionierungen erlebt, dass es nicht mehr an das Gute im Menschen zu glauben scheint. Der Mann, der einst den Tyrannen Somoza vertrieb, dem Sozialismus zum Sieg verhalf ...
Der Trendforscher liebstes Objekt ist derzeit wohl das Wandern: Fernsehschaffende wie Hochschullehrer mit wohlbestalltem "Deutschen Wanderinstitut" wetteifern um den Anspruch auf die Großtat, das Wandern für die Deutschen "neu erfunden zu haben". Bei so viel Rummel kann der elfte Band der Wanderreihe "Tippeltouren" die Maßstäbe doch wieder geraderücken: Gewandert wurde immer schon.
Trauminseln stellen Barbara Schaefer und Rasso Knoller in diesem Band vor. Für die Autoren sind dies nicht Palmeninseln; es sind Island, die Färöer, Spitzbergen, die Lofoten, Vesterålen und Grönland. Die mystisch-karge Landschaft des arktischen Arkadiens hat es ihnen dabei ebenso angetan wie die Geschichten dessen Bewohner.
Fidel Castro mag ein starrköpfiger Greis sein, der seine Ideale mit hohlem Pathos bis zum Untergang verteidigt. Blöd ist er aber nicht. Er ist sogar ein Prophet, denn in seiner Rede zum vierzigsten Jahrestag der kubanischen Revolution hat er die aktuelle Weltfinanzkrise vorausgesehen: "Dass die gegenwärtige ...
Bis heute ist die Sahara ein großer, heller Fleck auf dem Globus. Und obwohl schon lange niemand mehr die standardisierte Formel "Hic sunt leones" in die leere Fläche auf der Landkarte schreibt, "Hier sind die Löwen", müssen wir doch gestehen, dass wir von den tatsächlichen Bewohnern der Sahara - ...
Schanghai ist Zivilisation im Zeitraffer, eine Fortschrittsphantasmagorie aus Stein und Stahl, die Erschaffung einer neuen Stadt aus sich selbst, errichtet von zwei, drei, vier Millionen Wanderarbeitern für fünfzehn, zwanzig, dreißig Millionen Menschen. Schanghai ist eine Megalopolis im permanenten Quantensprung, ...
Der Fußballspieler Cristiano Ronaldo ist ein Weltstar und verdient dreizehn Millionen Euro im Jahr. Das ist obszön. Der Koch Alain Ducasse ist auch ein Weltstar und verdient noch ein paar Millionen mehr. Das ist gerecht. Der eine schießt manchmal einen Ball ins Tor und fährt oft seine Ferraris kaputt.
Keine andere Küche der Welt ist so traditionalistisch wie die japanische. Sie wirkt wie in Stein gemeißelt, kanonisiert und perfektioniert in Jahrhunderten - und vergisst dabei, dass auch sie das Ergebnis eines dynamischen Prozesses ist. Soja und Tofu zum Beispiel kamen ursprünglich aus China, Tempura-Teig brachten erst die Portugiesen nach Japan.
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