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DSF bringt Aktie von Constantin Medien unter Druck

Ausgeschieden: Oliver Reichert ist nicht mehr Chef des DSF

Ausgeschieden: Oliver Reichert ist nicht mehr Chef des DSF

01. Juli 2009 Überraschend wartete der Unterhaltungskonzern Constantin Medien am Mittwochmorgen im Vorfeld der Hauptversammlung mit einer Hiobsbotschaft auf. In seinem Sportsegment, zudem vor allem der Fernsehsender DSF und der Produktionsdienstleister Plazamedia gehören, erwartet das Unternehmen kräftige Einbußen.

Einbrüche im Werbegeschäft, Restrukturierungskosten und außerordentliche Aufwendungen würden den Bereich im laufenden Geschäftsjahr mit einem Betrag im unteren zweistelligen Millionenbereich belasten. Das Loch werde indes voraussichtlich durch Einnahmen in Höhe von 25 bis 30 Millionen Euro gestopft, die der Konzern aus einem Vergleich im Zuge der Organhaftungsklagen gegen frühere Vorstände und Aufsichtsräte erwartet.

Chefwechsel und Sparmaßnahmen beim DSF

Dennoch werden beim DSF nun Sparmaßnahmen ergriffen und der Sender direkter an den Konzern angebunden. Der Vorstandsvorsitzende Bernhard Burgener ist nunmehr für das gesamte operative Geschäft der Gruppe verantwortlich. Der bisherige Sport-Chef Rainer Hüther scheidet „im gegenseitigen Einvernehmen“ aus dem Vorstand aus und bleibt nur noch vorübergehend als Berater für das von ihm verantwortete Projekt „LIGA total!“, der Übertragung von Zusammenfassungen von Bundesligaspielen über Internet-Fernsehen und auf Handys in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom.

Neuer starker Mann wird Plazamedia-Geschäftsführer Zeljko Karajica, der nicht nur die Verantwortung für „LIGA total!“ übernimmt, sondern auch den gleichfalls im gegenseitigen Einvernehmen ausscheidenden bisherigen DSF-Geschäftsführer Oliver Reichert beerbt.

Börsianer beurteilten die Ankündigungen negativ. Die Gewinnwarnung für das operative Geschäft dürfte die Sondereffekte aus dem Vergleich überlagern, hieß es. Zudem hat Constantin die Möglichkeit einer Kompensation des schwachen Sportgeschäfts insoweit eingeschränkt, als dafür Voraussetzung sei, dass etwaige Wertminderungsaufwendungen in der Sparte die Ergebnisentwicklung im laufenden Geschäftsjahr nicht zusätzlich belasteten.

Jahrelange Restrukturierungen

Die Entwicklung des Konzerns, der aus dem ehemaligen Highflyer und späteren Skandalwert des Neuen Marktes EM.TV hervorging, verlief in den vergangenen Jahren weniger erfolgreich als sich das die Anleger wohl gewünscht hätten. Bis ins Jahr 2004 hinein kämpfte das Unternehmen noch um seine Existenz, erst 2006 begann eine längerfristige Aufwärtsentwicklung von Umsatz und operativem Gewinn. Unter dem Strich aber brachte von den vier vergangenen Geschäftsjahren nur das Jahr 2006 einen nennenswerten Gewinn.

Das angestammte Geschäft mit der Rechtevermarktung an Serien insbesondere im Kinder- und Jugendbereich war 2007 in die roten Zahlen gerutscht und hatte die Ereträge belastet. Da hatte sich das Unternehmen längst umorientiert und sich vor allem über den DSF ein zumindest seinerzeit ertragreicheres Standbein gesichert.

2008 verzeichnete Constantin Medien zwar einen Umsatzsprung von zwei Dritteln auf 385 Millionen Euro. Auch stieg der operative Gewinn um das Zweieinhalbfache auf 69,1 Millionen Euro. Aber unter dem Strich stand ein Verlust von 131 Millionen Euro.

Beides hatte die gleiche Ursache, nämlich dem Um- und Ausbau des Unterhaltungsgeschäfts zu verdanken, durch den angestrebten Zusammenschluss mit der Schweizer Highlight Communications und deren Tochter Constantin Film. Mit der Konsolidierung der Beteiligung wurden erhebliche Wertberichtigungen notwendig, vor allem auf die immateriellen Vermögenswerte von Highlight.

Skeptische Aktionärsvertreter

Der Zusammenschluss wurde von den Aktionären Ende Januar zwar genehmigt, doch mit Skepsis kommentiert, allzumal gleichzeitig eine Kapitalerhöhung angekündigt wurde. Nathalia Bidnova von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK) sagte seinerzeit, sie befürchte, dass zum wiederholten Male das Geld in den Sand gesetzt werde.

Constantin Medien aber stellte zu diesem Zeitpunkt für die kommenden Jahre dauerhaft schwarze Zahlen in Aussicht. Mit dem Bericht zum ersten Quartal erfüllte das Unternehmen insofern die Erwartungen, als es einen Gewinn von 2,1 Millionen Euro verbuchte. Auch wurde die Prognose bestätigt, den Umsatz auf 500 bis 520 Millionen Euro zu erhöhen und ein Konzernergebnis je Aktie zwischen 4 und 6 Cent zu erzielen.

Hohe Bewertung

Der Kurs der seit Ende April 2004 gehandelten Aktie zeigt seit 2005 eine langfristige Abwärtstendenz. Darüber kann auch die Erholungsphase zwischen August 2006 und Oktober 2007 nicht hinwegtäuschen, die an der Marke von 5 Euro noch deutlich unterhalb des Fünf-Jahres-Hochs von 6,21 Euro seinerzeit endete.

Nachdem der Kurs im Oktober 2008 bei 1,50 Euro ein Allzeittief erreichte, stieg er zwar wieder bis auf 2,70 Euro, doch kurz nach den Fusionsbeschlüssen und der Ankündigung der Kapitalerhöhung kam er abermals ins Rutschen. Mit 2,10 Euro notierte die Aktie am Dienstag nahe ihres Jahrestiefs von Ende Mai.

Selbst auf diesem Niveau und auf Basis der bisherigen Analystenschätzungen aber erschien sie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von rund 21 für das laufende und mehr als 14 für das kommende Jahr schon vergleichsweise hoch bewertet. Dabei basierte diese Schätzung auf einem bereinigten Ergebnis je Aktie von 9,9 Cent.

Bezogen auf die Unternehmensprognose von 4 bis 6 Cent je Aktie beträgt das KGV sogar zwischen 35 und 52,5. Auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis von mehr als 1 macht die Aktie nicht günstig. Lediglich die Marktkapitalisierung von 164 Millionen Euro erscheint im Vergleich zum angestrebten Umsatzvolumen von mehr als 500 Millionen Euro niedrig.

Warten auf Ergebnisse

Insgesamt gelingt es Constantin Medien bislang nicht, in ruhigeres Fahrwasser zu kommen. Das liegt sicher nicht zuletzt daran, dass die Unterhaltungsbranche schwankungsanfällig ist. Es macht aber gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten auch die Aktie riskanter.

Diese reagierte am Morgen mit Kursverlusten zur Eröffnung und kämpft derzeit darum, nicht auf ein neues Jahrestief abzurutschen. In diesem Fall stünden auch aus charttechnischer Sicht weitere Kursverluste zu befürchten. Sollten die Ergebnisausweise der kommenden Quartale sehr schwach ausfallen, dürfte das aber wohl unweigerlich eintreten. Auch die Entwicklung des Projekts „LIGA total!“ dürfte nach den Wechseln an der Spitze mit großer Aufmerksamkeit verfolgt werden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
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