Finanzmärkte

Nasdaqwerte übertreffen die Blue Chips

Von Ben Steverman

Vorreiter Oracle: Können andere Technologie-Unternehmen mithalten?

Vorreiter Oracle: Können andere Technologie-Unternehmen mithalten?

06. Juli 2009 Trotz einer schlimmen Rezession hatten Investoren in der Technologiebranche in der ersten Jahreshälfte 2009 reichlich zu feiern. Manche stellen jedoch in Frage, ob Technologie-Aktien für den Rest des Jahres weiter Gewinne einbringen werden. Im ersten Halbjahr 2009 waren die Technologiebörsen die Stars der Aktienmärkte. Jetzt fragen sich Technologieanleger, wie lange ihr Glück noch anhalten kann.

Sieben von zehn Branchen, die im S&P-500-Index enthalten sind, haben sich laut dem Datenanbieter Capital IQ im Jahr 2009 negativ entwickelt. Die Kurse der Aktien aus dem Luxusgüterbereich sind um 9 Prozent gestiegen, die der IT-Aktien um 25 Prozent.

Da der Nasdaq-Composite-Index viele Technologie-Aktien enthält, hat dieser andere bedeutende Indizes geschlagen. In den ersten sechs Monaten des Jahres ist der Dow Jones Industrial um 3,8 Prozent gesunken, der S&P 500 stieg um 1,8 Prozent, der Nasdaq jedoch gewann 16 Prozent.

Dies ist ein ziemlicher Kontrast zur vergangenen Rezession, als das Platzen der Technologieblase viele Portfolios dezimierte. Von 2000 bis 2002 hat der Nasdaq mehr als 60 Prozent seines Wertes verloren. Portfolio-Manager führen mehrere Gründe an, wieso Technologiewerte 2009 trotz der schweren Rezession so anziehend waren.

Technologieunternehmen kürzten Lagerbestände und Produktion

Technologieunternehmen blieben vom Abschwung nicht unberührt, besonders Ende 2008, als die Unternehmen Softwarekäufe stornierten und Hardwarebestellungen ausblieben. „Technologiewerte wurden in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres vernichtend geschlagen“, sagt Richard Parower, Portfolio-Manager bei River Source Investments. Führungskräfte des Technologiesektors haben jedoch aus dem schweren Abschwung Anfang des Jahrzehnts ihre Lektion gelernt. „Sie gingen bei der Kürzung von Lagerbeständen und der Produktionskapazitäten ziemlich offensiv vor“, so Dan Genter, Vorstandsvorsitzender und Chief Investment Officer von RNC Genter.

Die Kombination aus einem starken Rückgang des Geschäftsvolumens und einer konsequenten Kostensenkung im Jahr 2008 hat Technologieunternehmen auf eine schnellere Erholung im Jahr 2009 vorbereitet, sagt er. Nachdem viele schlechte Nachrichten schon in den Börsenkursen enthalten waren, lockten Technologie-Aktien immer mehr Investoren an, die sich auf der Sucht nach Schnäppchen befanden. „Diese Aktien gelten als zu kostengünstig“, sagt David Stepherson, Portfolio-Manager bei Hardesty Capital Management.

Im ersten Halbjahr machten Anleger einen unerwarteten Stimmungswechsel durch: Zuerst fiel der breite Markt bis März stark, um dann mit steigendem Optimismus wieder auf die Beine zu kommen. Technologie-Aktien dagegen entwickelten sich in beiden Marktphasen robust. Als die Lage düster war, sagt Uri Landesman von ING Investment Management, wandten sich die Investoren den Bilanzen der Technologieunternehmen zu: Mit viel Bargeld und wenig Schulden waren Technologieunternehmen für die Finanzierung nicht auf eingefrorene Kreditmärkte angewiesen. Als sich die Kreditbedingungen stabilisierten und Investoren anfingen, auf eine Erholung zu hoffen, stiegen die Kurse in der Erwartung, dass die Unternehmen von einer „Rückkehr zum Wohlstand“ profitieren würden.

Übernahmen und Fusionen haben Interesse geweckt

Die Aktien vieler Technologieunternehmen werden unter den ersten sein, die von einer besser laufenden Wirtschaft profitieren, sagt Stepherson. Unternehmen haben die Erfahrung gemacht, dass sich Technologie-Investitionen besonders in Unternehmen, die Entlassungen vornehmen, in Form höherer Produktivität auszahlen. „Seinem Laptop und Server muss man keine Zusatzleistungen zahlen“, sagt er. „ Dort, wo man einst zehn Leute für einen Job benötigt hat, braucht man jetzt vielleicht sechs.“

Andere Faktoren haben dem Technologiebereich geholfen, sagen Experten. Fusions- und Übernahme-Aktivitäten haben das Interesse geweckt, so Landesman, vor allem der Kauf von Sun Microsystems durch Oracle im April für 7,4 Milliarden Dollar.

Ein anderer Faktor, der schwieriger zu messen ist, ist die Politik. Andere Branchen werden von Sorgen belastet, dass neue Bestimmungen aus Washington die Kosten treiben könnten. Kongress und Regierung erwägen Gesundheitsreformen, neue Vorschriften für den Finanzbereich und eine Gesetzesvorlage zum Klimawandel, die Energie- und Versorgerbranche beeinflussen könnten.

„Das regulatorische Augenmerk der Regierung richtet sich nicht auf den Technologie-Sektor“, sagt Stepherson. Parower merkt an, dass der Branche durch neue Bestimmungen in anderen Bereichen geschadet oder geholfen werden könnte: Zum Beispiel könnten neue strenge Regeln für Finanzunternehmen dazu beitragen, dass die Wall Street weniger Geld hat, um neue IT-Produkte zu kaufen. Jedoch könnten neue Offenlegungsvorschriften von der Regierung auch Investitionen erfordern. Investoren sind unterschiedlicher Ansicht, ob die Technologiewerte ihren Erfolg im zweiten Halbjahr 2009 werden fortsetzen können oder nicht.

„Die Erwartungen sind ziemlich hoch geworden“

„Viele Menschen sind der Meinung, dass Technologie der Sektor ist, in den man jetzt investieren sollte“, sagt Steven Rogé, Portfolio Manager bei R.W. Rogé. „Doch ich denke, dass wir einen Großteil der Outperformance in diesem Sektor gesehen haben.“ Während sich die Wirtschaftslage verbessert, erwartet Rogé, dass andere, wirtschaftlich sensiblere Aktien - wie die von Konsumgüterproduzenten - die Technologie-Aktien überholen.

Ein Schlüsselfaktor werden wahrscheinlich die Geschäftsberichte sein. Intel berichtet am 14. Juli, IBM am 16. Juli, Microsoft am 23. Juli und Cisco Systems am 5. August. Oracles Ergebnisse am 23. Juni haben den Aktienkurs steigen lassen, nachdem Gewinn, Umsatz und Auftragseingänge alle Vorhersagen geschlagen haben.

Die Erwartungen sind ziemlich hoch geworden“, sagt Parower. „Wir nehmen an, dass Tech für eine Weile auf der Stelle treten wird.“ Landesmann argumentiert jedoch, dass Technologie-Aktien vernünftig bewertet sind, da die Branche gute Chancen hat, die Gewinnerwartungen des Marktes zu schlagen, derweil sich die Wirtschaftslage verbessert. Vieles mag davon abhängen, ob sich die amerikanische Wirtschaft schnell genug erholt, um die höheren Erwartungen der Investoren zu erfüllen.

Ben Steverman ist Reporter für den Business Week Investing Channel.



Text: Business Week Online
Bildmaterial: AFP, F.A.Z., FAZ.NET

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