Von Kirsten-Isabel Krumrey
27. März 2009 Der Chef hat montags bis freitags schlechte Laune und schnauzt seine Mitarbeiter an. Die Kollegen mobben einander, was das Zeug hält. An solche Umgangsformen kann man sich gewöhnen, aber ideale Arbeitsbedingungen sehen anders aus. Und motivierte Mitarbeiter sind einfach produktiver als frustrierte. Motivationsforscher und innovative Firmen setzen deshalb auf Klimawandel. Doch wie spornt man seine Mitarbeiter zu Höchstleistungen an?
Auf keinen Fall sollte man die Mitarbeiter in eine kontraproduktive Wettbewerbssituation untereinander bringen, rät Egon Stephan, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Köln. Die Folge eines solchen Wettbewerbs seien fatal: Hier gibt es fast ausschließlich Verlierer. In vielen Unternehmen werde beispielsweise eine Belohnung für den erfolgreichsten Mitarbeiter ausgelobt. Wer die meisten Verträge abschließe, bekomme etwa eine Weltreise. Viele würden sich dann gar nicht erst anstrengen, da sie sich keine Chancen ausrechnen. Wer sich aber auf dieses Wettrennen einlasse, habe ein hohes Risiko, zu scheitern. Dabei ist Scheitern, so Egon Stephan, ganz schlecht für die Motivation.
Viel besser sei es, ein gemeinsames Ziel für die gesamte Abteilung zu definieren. Es sollte anspruchsvoll, aber erreichbar sein. Alle spornen sich gegenseitig an, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Eine Belohnung gibt es nur fürs ganze Team. Das, so Stephan, bindet die Gruppe zusammen. Der Mensch ist am ehesten zufrieden, wenn er das Gefühl hat, dass es gerecht zugeht und er etwas Sinnvolles tut, auf das er stolz sein kann. Ein hohes Gehalt ohne große Leistung mache denn auch die wenigsten Menschen glücklich. Der platte Glaube, dass eine möglichst hohe Bezahlung eine besonders hohe Zufriedenheit ergibt, stimmt so nicht.
Sportkurse, kostenloses Mittagessen, Tagesmütter
Einfach ein hohes Gehalt bieten - das ist heute nicht mehr genug, sagt auch Ansgar Metz, Sprecher des Great Place to Work Institute, das jedes Jahr ein Ranking der 100 besten Arbeitgeber (aufgeteilt nach Unternehmensgröße) erstellt. Jedes in Deutschland ansässige Unternehmen ab 50 Mitarbeitern kann sich bewerben. Derzeit machen jährlich mehr als 250 Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen mit. Gerade im Wettbewerb um hoch qualifizierte Arbeitnehmer ist es wichtig, eine gute Arbeitsplatzqualität zu bieten, betont Ansgar Metz. Von 2005 bis 2008 hat der Softwarekonzern SAP beim Wettbewerb Deutschlands beste Arbeitgeber regelmäßig Platz 1 oder 2 erzielt. Bei SAP setzt man auf die Kraft der Gruppe. Jedes Jahr gibt es ein neues Motto, erklärt Sprecherin Angelika Pfahler. Darauf wird dann die ganze Mannschaft eingeschworen. 2008 setzte der Konzern auf den Slogan Take IT higher.
Doch nicht nur das gemeinsame Ziel trägt zur Motivation der SAP-Mitarbeiter bei. Günstige Sportkurse, ein kostenloses Mittagessen, die Vermittlung von Tagesmüttern, günstige Hausbankkredite und relativ lockere Regeln bei Urlaubsrückstellungen sind ebenso Teil der Firmenkultur. Bei SAP stehen eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen im Vordergrund, sagt die Sprecherin. Wenn ich für einen Marathon trainieren will, kann ich das gut mit meiner Arbeit vereinbaren. Auch mobiles Arbeiten, also außerhalb des Büros, werde von SAP unterstützt.
Auf gemeinsame Aktivitäten besonderer Art baut auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars Hemmelrath. Einmal im Jahr haben wir die Mazariades, eine Art firmeninterne Olympiade, sagt die Wirtschaftsprüferin Melanie Büsing, die als Mitarbeiterin an der Veranstaltung teilgenommen hat. Dazu kamen im vergangenen September rund 750 Mazars-Mitarbeiter aus fünf Kontinenten nach Frankfurt. In internationalen Teams treten wir beim Tauziehen gegeneinander an, erzählt Melanie Büsing. Oder wir müssen zu sechst auf einem Paar Riesenskier einen Berg hoch. Ziel der Mazariades ist, dass die Mitarbeiter als Team zusammen arbeiten und sich Herausforderungen stellen. Das Rezept scheint zu wirken. Melanie Büsing: Nach der Mazariades geht man mit viel Schwung wieder zur Arbeit.
Der Chef sollte sich selbst engagieren
Für Volker Kampehl, Gründer der Werkstatt für Führung und Vertrieb, zählt vor allem eines: Man muss den anderen als gleichgestellten Menschen und nicht als Produktionsfaktor behandeln. Mitarbeiter seien viel motivierter, wenn der Chef sich selbst engagiert.
Und: Auch die Anerkennung durch den Chef sei wichtig. Viele Führungskräfte können nicht wirklich loben, sagt Volker Kampehl. Doch auch das könne man trainieren. Nur wenn es zwischen Chef und Mitarbeiter gut laufe, seien Erlebnistouren und andere Aktivitäten eine gute Ergänzung der Motivation. Aber auch Grundbedingungen wie ein vernünftiger Führungsstil der Vorgesetzten, eine angemessene Position und ein vernünftiges Gehalt müssen erfüllt sein.
Fünf Merkmale guter Motivation nach Professor Egon Stephan
1. Die Anforderungen sollten vielfältig und nicht monoton sein
2. Es sollten ganzheitliche und nicht kleine Detailaufgaben gegeben werden, so dass der Einzelne seine Leistung sehen kann.
3. Das Gefühl, etwas Wichtiges zu tun, sei es für das Unternehmen oder für die Gesellschaft,
4. Jeder Arbeitnehmer sollte Entscheidungsspielräume haben und autonom handeln können.
5. Die eigene Leistung sollte von anderen anerkannt werden.
Text: FAZ.NET
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