
Das Kreuz als Zeichen des Christentums: Der Turm der Matthäuskirche in Frankfurt vor einem Bankenturm
22. Dezember 2006 Der Weltjugendtag liegt zwar schon mehr als ein Jahr zurück, aber katholische Jugendliche erinnern sich noch gut an das Treffen in Köln mit dem neuen, dem deutschen Papst und an die Tage der Begegnung, die zuvor stattgefunden hatten. Der Weltjugendtag hat gezeigt: Kirche, das sind nicht nur öde Rituale, sondern ist gelebter Glaube, findet Axel Waldbach.
16 Jahre alt ist er und besucht die Bischof-Neumann-Schule in Königstein. Gemeinsam mit vier Mitschülern, alle wie er in der 11. Klasse, ist er ins Büro von Schulpfarrer Harald Klein gekommen, um über Glauben und Kirche zu sprechen. Der Glaube ist cooler geworden, gerade bei Jugendlichen, sagt Axel.
Kirchliche Riten stoßen auf mehr Interesse
Seine Schule ist eine katholische Schule - was natürlich nicht heißt, daß es dort keine kirchen- und glaubensfernen Schüler gäbe. Der Schulpfarrer nimmt jedenfalls ein deutlich größeres Interesse wahr. Es gibt ernsthafte Fragen nach Gott, und Schüler wollen etwas über Religion, über Gott wissen. Wie kann ich glauben? Was kann ich glauben? Und wer gibt verbindlich Auskunft? Der Geistliche merkt dies im Religionsunterricht, der lebendiger geworden ist, aber auch in Gesprächen mit Schülern während der Pausen oder in seinem Büro, wie er berichtet. Es ist üblich, von Patchworkreligion bei Jugendlichen zu reden.
Die Zahl der christlichen Patches, der einzelnen Teile, wird größer. Ein Zeichen dafür sieht Klein in der, wie er sagt, gestiegenen Neugier auf Riten, wie es sie gerade in der katholischen Kirche gibt. Er geht sogar so weit, von einer Renaissance des Kirchlichen zu sprechen. Markus Befort, engagiert in der Königsteiner Pfarrgemeinde, gibt ein Beispiel: Eine Mitschülerin sei dreimal zu einer eucharistischen Anbetung in die Kirche gekommen, wie es sie seit dem Weltjugendtag gebe. In dieser für gewöhnlich eher älteren Katholiken vertrauten Frömmigkeitsübung verharren Gläubige vor der in einer Monstranz gezeigten Hostie, dem Leib Christi, im Gebet. Nach dem dritten Mal hat sie gefragt, was das überhaupt sei. Dann wurde es ihr erklärt.
Es geht Gläubigen um die Gerechtigkeit in der Welt
Klein sieht in Riten wie diesem einen Weg, um zum Glauben zu finden, mehr, als dies über Worte geschehen kann - auch wenn manche seiner Kollegen und manche ehrenamtlich in Gemeinden Tätige dies für einen konservativen Rückschritt hielten. Mit jener Neugier verbunden sei, daß überzeugte Christen nicht mehr belächelt würden, so der Pfarrer, der auch an der zweiten kirchlichen Schule in Königstein tätig ist, der Sankt-Angela-Schule, einer Mädchenschule. Christen sind zwar Outsider, aber respektierte Outsider, sagt er - auch angesichts der jüngsten Shell-Jugendstudie, der zufolge man nicht gerade von einer Renaissance der Religion unter Jugendlichen sprechen kann.
Benjamin Bechtold ficht das nicht an. Er leitet an der Schule den Jugendverband der katholischen Gemeinschaft Christlichen Lebens, der etliche nicht explizit religiöse Veranstaltungen anbietet. Gemeinschaften, die gut mit einem umgehen, sind gefragt. Einen größeren Respekt gegenüber Glaubensüberzeugungen spürt auch Sebastian Schmidt. Er ist sicher: Es gibt eine Rückkehr zur Religion. Jugendliche reden wieder mehr über den Glauben, meint auch Sofia Gallwas, eine griechisch-orthodoxe Schülerin.
Eines möchte Klein aber nicht: eine Kuschelreligion, in der man es sich behaglich einrichte, ohne nach der Verantwortung der Christen zu fragen. Es muß Gläubigen auch um die Gerechtigkeit in der Welt gehen. Nicht von ungefähr führen beispielsweise Orientierungstage, die er für Oberstufenschüler anbietet, zu einem Projekt zugunsten Obdachloser nach Hamburg.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, F.A.Z. - Burkert